Logbucheintrag 020-021

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[Brommö färja, 11.Juni 2023] Enttäuschend. Kennst du das, wenn man Ereignisse an denen bereits der Zahn der Zeit genagt hat unweigerlich verschönert? Schlechte Erinnerungen werden ja für gewöhnlich ausgeblendet, gute hingegen oft in Gedanken oft besser dargestellt als sie es waren.

Ob das in diesem Fall zutrifft weiß ich ehrlicherweise (noch) nicht, vielleicht wird sich die potentielle Erkenntnis auch weiterhin meinem Blickfeld entziehen. So sei es eben. Worum es geht? Um eine kleine Insel im Vänernsee. Namentlich bekannt, oder auch nicht, unter dem Namen Torsö. Irgendwo an der Ostküste, etwa eine halbe Autostunde von Mariestad entfernt. Hier bin ich schon mal gewesen, wissentlich der bisher nördlichste Punkt in Skandinavien wo ich bisher gewesen bin (ungeborene Ausflüge mal ausgeklammert). An einem Strand im Wald namens „Torsö Strand“. Anzufahren über eine lange Geraden, vorbei an einem Bauernhof, eine kleine Kapelle mit angrenzendem Friedhof zur rechten liegen lassend und dann noch ein paar Kilometer über Piste durch den Wald. Ein fantastisches Plätzen Erde, damals für zwei fantastische Menschen, einem geliehenen Auto incl. Dachzelt (schöne Grüße nach Aachen) und fertig ist die Laube.

Diesmal… bin ich immerhin bis zur Kapelle gekommen, bzw. bis kurz danach. An besagtem Gotteshaus durfte ich mich schon über die Beschilderung „Camping Verboten“, „Höhenbegrenzung 2m“ freuen, das hält einen „Arnarchobert“ (schöne Grüße an meine Lieblingsbertis) in der Regel aber nicht auf. Die daraus resultierende physische Höhenbegrenzung 500 Meter weiter im Wald dann allerdings schon. Aus der Traum vom schönen Spot im Wald.

Rückblickend stellt sich mir die Frage ob’s diese Höhenbegrezung damals nicht auch schon gegeben hat, mit unserem kleinen Vehikel wäre eine Durchfahrt wohl möglich gewesen, vielleicht war es so. Es ist leider nicht immer alles besser mit einem größeren Van, Komfort hin oder her.

Das Ende vom Lied war demzufolge dass ich unverrichteter Dinge wieder abdampfen durfte (Abends um 10:20Uhr), auf der Suche nach einem geeigneten Alternativspot musste ich mit Tränen in den Augen an zwei weiteren Schranken umkehren und habe mich schlussendlich auf einem, für die Vanlife-Insta-Häs’chen unter euch, banalen & enttäuschenden Schotterplatz in direkter Nähe zum „Fährhafen“ nach Brommö gestellt.

Natürlich campt das Auge immer auch ein bisshen mit, am Ende bin ich in dieser Hinsicht oft aber auch einfach anspruchslos da ich hier primär schlafen möchte.

Immerhin halte ich es hier jetzt schon den zweiten Tag aus, was an verschiedenen Faktoren hängt. Der wichtigste, abseits dieses viel zu überdimensionierten Parkplatzes (hoffe ich, wenn nicht möchte ich nicht wissen wie es hier in der Saison ist), ist die Insel ein absolutes Träumchen. Neben einer tollen Fahrradtour und ein paar Spaziergängen lädt auch hier der Vänernsee bei fast angenehmen Temperaturen zu einem kleinen Sprung ins kühle Nass ein. Nebenbei ist die Schikimikikulisse des kleinen Yachthafens nebst viel zu teurem Lokal und angrenzenden Wohneinheiten (sehr viele, dafür überschaubar groß) eine interessante Abwechslung zum immergleichen Naturschauspiel und den sich perfekt in die Landschaft einfügenden rot-weißen Schwedenhäuschen. Ekelhaft schön hier!

Nebenbei wollte ich eigentlich die Gunst der Stunde nutzen auf angesprochener „Nebeninsel“ Brommö ein paar Meter zu wandern, dies würde bzw. hätte allerdings ein etwas konsequenteres Dasein meinerseits erfordert. Immerhin muss man um dort hin zu gelangen zu einer festgelegten Uhrzeit am Kai erscheinen um von dort aus mit der Fähre überzusetzen. Die fährt allerdings nur zweimal am Tag, morgens hin, Nachmittags zurück.

Gestern habe ich mich überheblicherweise auf den OnlineBums auf google maps verlassen. Einfach dumm. Das gelbe Schiffchen nahm bereits Kurs aufs andere Ufer als ich frohen Mutes 30 Minuten zu spät aufschlug. Und heute? Nunja, Wecker sind aktuell nicht mein Ding weshalb ich sie nicht anschalte. Den Rest kann man sich denken. Am Ende sollte es also offenbar einfach nicht sein. Auch nicht schlimm, es bleibt ja auch so spannend.

Zwischenfrage: Falls sich jmd mit Schweden, insbesondere in Bezug auf Autos, Musik und Jugendkultur auskennt, gerne melden. Mich würde sehr interessieren wieso hier eine Vielzahl von meist jungen Erwachsenen mit tiefergelegten alten Amischlitten rumfahren, die hintere Scheibe meist ausgebaut und dafür am Ort der eigentlichen Hutablage eine monströse Musikanlage verbaut haben. Und dann ab die Lutzi bis zum Gehörsturz. Mit 15-20kmh über die Landstraße. Faszinierenderweise ist mir dieses Phänomen inzwischen mehrere Dutzend Male begegnet in verschiedensten Ecken dieses Landes.

Schönen Gruß und viel Spass mit den Bildern. Diesmal als eine Galerie.

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