Logbucheintrag 022-024

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Guten Tag, anbei ein paar Eindrücke der letzten drei Tage incl Bilder. Ich habe die Bildergalerie diesmal (und werde es nach Möglichkeit auch in Zukunft tuen) ein wenig aufgesplittet und das Visuelle mit dem Geschriebenen verbunden. Das heisst für euch eigentlich nur dass es nach Bildern durchaus noch weiter gehen kann mit dem Artikel. Viel Spass damit.

[Torsö Strand – Kristinehamn – Kittelfältet Södra, 13.06.2023] Zwischen Beachlife, Kultur, Wandern in der Natur und der DDR. Manchmal sind Tage so, so voller verschiedenster Themen dass man sich fast dazu gezwungen fühlt irgendetwas zu notieren bevor die Gedanken wieder schwinden und nur bruchstückhaftes übrig bleibt. Später werde ich mir dann zwar eventuell denken dass das eine oder andere es vielleicht nicht unbedingt hierher hätte schaffen müssen, aber gut, lesen musst du es ja nicht.

]Torsö Strand[ Planmäßig früh, immerhin schon um 7:30Uhr, ganz ohne Wecker, ging es heute früh raus. Ein Abstecher zum Hafen um dem Vänern bis auf weiteres Adieu zu sagen und dann ab auf die Piste. Piste meint in diesem Fall die hier üblichen 1.5 Spuren breiten asphaltierten Landstraßen die fast schon als Hauptstraßen zu benennen sind da es viel größer hier nicht mehr wird.

Die lange Gerade entlang, am Bauernhof vorbei und ab zur Kapelle. First Stop. Es juckte mich doch noch ein wenig in den frisch geschnittenen Fingernägeln, ein kleiner Abstecher mit der hauseigenen Tretmühle musste einfach noch drinne sein. Auf der Suche nach der Vergangenheit. Die ist immer noch absolut außergewöhnlich. Nach einer 15 minütigen Radtour durch tiefsten schwedischen Wald eröffnet sich dem geneigten Besucher ein Bild der vollendeten Metarmorphose zwischen Wald, Strand und schwedischem klaren blauen Wasser. Torsö Strand. Oder neudeutsch Torsö Beach. Wir sind ja international. Dieser kleine feine Ort lässt unbewusst das Herz höher schlagen, so schön ist es hier. Vielleicht gar nicht so schlecht dass die Großraummobile der heutigen Zeit hier keinen Zutritt mehr haben. Für mich persönlich wäre es natürlich trotzdem schön gewesen.

]Kristinehamn[ Weiter geht’s gen Norden, mal am Ufer des Vänern, mal in den umliegenden endlosen Weiten des Waldes und mal durch malerische Kornfelder, in Richtung Kristinehamn. Eine Stadt in der mittelschwedischen Provinz Värmslands län, sie ist Hauptort der gleichnamigen Gemeinde und ist mit etwa 18000 Einwohnern die größte Ortschaft hier in der Gegend.

Was ich hier will außer durchfahren? Ein paar Kleinigkeiten einkaufen, darüber hinaus ergibt sich ein kleiner Stepper durch die Innenstadt und da ich mich im Vorfeld nach einem historischen Stadtmuseum umgeschaut hatte statte ich diesem auch noch einen Besuch ab (Kristinehamns Historiska). Das Gebäude ist schon schön, die Dauerausstellung zur Stadtgeschichte ist zwar in weiten Teilen dank der vorhandenen Sprachbarriere nicht verständlich, durch viel Bebilderung und einer Vielzahl an historischen Ausstellungsstücken ergibt sich dennoch ein umfassendes Bild. Sehr spannend!

]Kittelfältet Södra[ Mein Weg führt mich dann eine gute Autostunde weiter in den Nationalpark „Brattforsheden“. Unterwegs tauche ich in die aktuelle Folge des Podcastes „Alles gesagt?“ von Zeit Online/Magazin ein. Die Gästin ist Renate Künast, ihres Zeichens Mitglied der Grünen und im aktuellen deutschen Bundestag. Ohne die gesamte Folge mit ihren immerhin 5Stunden und 44 Minuten gehört zu haben kann ich nach nunmehr einer Stunde festhalten. Es lohnt sich. Vielen Dank für den Tipp nach Hamburg. Aufgrund der Inhalte (es geht zu Beginn u.a. um die Wiedervereinigung und die Errungenschaften der EU wie das freie Reisen), wird mir einmal mehr bewusst was für ein privilegiertes Leben wir doch haben im Vergleich zu vielen Millionen Menschen die nicht zufällig das Glück hatten in Europa aufwachsen zu dürfen. Und in meinem Fall jetzt aktuell einfach hinreisen kann wo ich gerade Lust drauf habe und dafür im Grunde genommen nicht mal einen Pass zu brauchen.

Absurd auf der einen Seite, auf der anderen Seite ein Trauerspiel dass es nicht für jeden möglich ist. Zum Glück schaffen wir durch die sich wandelnde Asylpolitik der EU diese Freiheit für uns alleine aufrecht zu erhalten. Wäre ja noch schöner wenn das jeder haben könnte. Dann doch lieber illegale Machenschaften an den Grenzen der europäischen Wertegemeinschaft legalisieren. Schämt euch!

Kleiner Cut, weiter geht’s in der wilden schwedischen Natur. Eingefunden habe ich mich auf einem kleinen Parkplatz nahe eines der vielen Seen hier, natürlich im Nirgendwo. Ich bin gespannt ob es ein Echo geben wird ob meines Planes hier zu campieren. Bisher habe ich die örtliche Polizei lediglich bei Mecces und auf einer Landstraße sonstwo entdecken können. Sie werden doch wohl nicht…

Die Zeit wird es zeigen. Ich verbringe den Nachmittag bei bestem Wetter mit einem ausgedehnten Spaziergang entlang der orangenen Route, neben Natur gibt es Natur und Natur zu entdecken, allerdings in höchst verschiedenen Facetten, Farben und Formen. Berauschend! Und die Mücken sind zurück. Der relativ strenge Wind der letzten Tage hatte den Anschein aufkommen lassen das die Biester nicht existent sind, hier und heute muss ich leider feststellen: Das ist Quatsch. Da hilft nur schneller gehen oder lange Kleidung, was sich beides nicht als herausragende Ideen für mich anhört. Dann muss man eben ein wenig leiden.

[Brattforsheden, 14.06.2023] Die Orangene Route, und zwar die Nummer 10. Quasi der Spielmacher unter den orangenen Routen. Tatsächlich im angesprochenen Naturschutzgebiet die umfangreichste Wanderung mit immerhin 24 Kilometern. Dadurch das man gleich durch vier verschiedene Naturreservate mit unterschiedlicher landschaftlicher Prägung wandert ergibt sich eine allumfassende Einsicht in alles was diese Region zu bieten hat.

Ich hatte mir vorgenommen etwas früher aufzustehen um nicht schon zu Beginn bei den angekündigten knapp 30 Grad laufen zu müssen. Die Rechnung hatte ich aber zum einen ohne meine Kopfschmerzen, zum anderen ohne die Mückenschwärme gemacht. Aufgeweckt hatten eben diese mich, über meinem Kopf gut gesichert hinter dem Mückengitter vor dem offenen Dachfenster schwärmten die Kollegen und Kolleginnen schon um 7Uhr in freudiger Erwartung meiner Person, sollte ich es wagen mich aus dem Fahrzeug zu bewegen.

Nun denn, weiterschlafen bis 9, Frühstück bis 9:30Uhr und dann gegen 10Uhr Abmarsch. Angenehme 25Grad, die Mückenplage hatte sich vorerst in den kühlenden Schatten des Waldes und der Blaubeerfelder zurückgezogen. Genau die Möglichkeit auf die ich gewartet hatte.

Mit annehmbaren Tagesgepäck und geschnürten Wanderschuhen ging die Tor dann endlich los. Immer den orangenen Markierungen hinterher. Die Infotafeln an den verschiedenen Wegpunkten hatten nicht zu viel versprochen, tatsächlich ist die Landschaft atemberaubend und sehr abwechslungsreich. Für mich war der Trail bis etwa Kilometerpunkt 10 fantastisch, danach meldete sich zu meinem Verdruss mein liebgewonnenes Knie wieder mit all seinen Schwierigkeiten. Dennoch wollte ich die Runde wie geplant abschließen, wann hat man sonst schon mal die Möglichkeit.

Am Ende war es dann nicht mein Knie was mich fast gekriegt hätte sondern meine eigene Dummheit. Mitten im Wald, ca. bei Kilometer 14 an einem Übernachtungsplatz in einer Flusskurve befand sich eine wundervolle Holzbrücke, zu diesem Zeitpunkt war ich der Meinung das es dort weitergehen müsste, unabhängig vom gut lesbaren Hinweisschild das die folgende Route nicht mehr gepflegt wird. Die Tatsache dass ich dem Fluss eigentlich auf, und nicht abwärts folgen sollte habe ich leider erst später Beachtung geschenkt. Sei es drum. Der Pfad konnte sich dann nach guten 500 Metern nicht laenger ein Pfad nennen, ich folgte mehr oder weniger meinem Gefühl und den immer seltener werdenden orangenen Hinweisen an den Bäumen. Bis ich mich komplett im Dickicht befand, umgeben von weiter schwedischer Natur. Zur rechten der unfassbar klare Fluss, zur linken steile bewaldete Hügel, in Flussnähe komplett verwachsen, etwas weiter abseits des Flusses dann zwar weniger undurchdringlich, dafür mit einer Moosunterlage die ein Vorwärtskommen fast unmöglich machte.

Was macht man da? Ich war ja nach wie vor der Meinung das dies der richtige Weg sein müsste, daher ging es weiter und weiter. Unterdessen war an eine Überprüfung meiner Position via Handy nicht mehr möglich weil es schlicht und ergreifend kein Netz gab.

Mit dem Mute der Verzweiflung habe ich mich dann weiter durchgeschlagen (umdrehen hätte zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn mehr gemacht) bis ich irgendwann wieder einen erlösenden Balken auf meinem Smartphone hatte. Und mit ihm meine Position auf Maps feststellen konnte. In Anbetracht des Ergebnisses wurde mir an diesem Punkt bewusst dass ich absolut komplett in der falschen Richtung unterwegs war. Lösung? Querfeldein bis zur nächsten Feuerschutzschneise welche mich dann zum nächsten Schotterweg führte der wiederum zum Ort Brattfors ging. Ein Wegpunkt meiner geplanten Route.

Zurück auf zivilisiertem Grund (dem Schotterweg) ließ der Adrenalinkick dann so langsam nach dem ich mich offenbar ausgesetzt hatte. Spannender Teil dieser Unternehmung. Ich war nicht panisch, aber zumindest leicht angespannt ob der Situation, auch wenn der Fluss im Zweifel immer noch Orientierung genug gewesen wäre um zumindest zurück zu kommen.

Schon ziemlich fertig mit den Nerven, meinem Bein (das Knie tat selbst nicht weh sondern die Schmerzen zogen sowohl in den Unterschenkel als auch in den Oberschenkel) und meinen Füßen die nach nunmehr 20km ordentlich zu kämpfen hatten kam ich schlussendlich in Brattfors an um dort eine kurz zu Verweilen und etwas zu essen zu mir zu nehmen.

Der letzte Teil der Runde sollte nun eigentlich noch einige Kilometer bereit halten, durch meinen ungeplanten Umweg wäre ich auf der originalen Route auf deutlich über 30km gekommen weshalb ich mich dazu entschied von Orange zu Gelb zu wechseln was am Ende „nur“ 25.5km bedeuteten.

Die ich in großen Teilen im Laufschritt zurück legen musste da sich die schon vermissten Mückenschwärme über mich her machen wollten. So etwas habe noch nicht erlebt! Sobald man stehen blieb setzten sich mehr als zwei Dutzend von den Tieren umgehend auf den Waden ab und weitere geschätzten 12-98 Mücken umschwirrten mich auf der Suche nach weiteren Andockplätzen.

Da hieß es für mich auf die Zähne beißen und rennen, rennen, rennen. Da half auch nicht mehr die fantastische Anti-Mücken-Lotion von Laura (liebe Grüße und danke!) bzw. das milderte den Input offenbar nur ab.

Abschließend.. geschafft! Komplett am Ende bin ich umgehend zum nahegelegenen Camping Magenbadens gefahren um am dortigen Badeplatz ein hochverdientes Bad zu nehmen. Danach dann wieder ab nach Kittelfältet, diesmal aber auf den nördlichen Parkplatz. Mehr als schlafen ging dann auch nicht mehr.

Anmerkung zu den Bildern: Von der Wanderung gibt es leider nur Handyfotos, dementsprechend schlechter ist die Qualität.

[Magenbadens Camping (badplats) – Älvsbacka badplats (Östra Örten See), 15.06.2023] Tag Eins nach dem Marsch. Ob ich Muskelkater habe? Geringfügig. Das soll heißen, komplett und überall! Schon am Vorabend hatte ich mich gedanklich auf einen absoluten Chillovanillo Tag am Seestrand eingestellt. So kam es dann auch, zunächst am gleichen Ort wie am Vortag und zum Ende des Tages hin dann eine gute halbe Stunde weiter nördlich am Östra Örten (See) am Älysbacka badplats. Im Nachhinein ärgere ich mich ehrlicherweise ein wenig wieso ich nicht schon morgens hier rüber gefahren bin. Es ist ein absoluter Traum! Heute werde ich im übrigen (abgesehen von den Tagen am Meer), augenscheinlich das erste mal nicht alleine an einem Spot übernachten, zur Zeit stehen immerhin zwei weitere Camper hier. Natürlich einer aus Deutschland, wie könnte es anders sein.

Gute Nacht. Schöne Restwoche & lieben Gruß.

Ein kleiner Nachtrag zum gestrigen Stellplatz bzw die Bilder die davon u.a. im Folgenden zu sehen sind. Der offensichtlich abgebrannte Wald ist das Ergebnis einer geplanten Brandaktion welche in den letzten Jahrzehnten in der verschiedenen Teilen des Waldes durchgeführt wurde. Durch das kontrollierte Abbrennen wird die komplette bodennahe Vegetation verbrannt, die Bäume aber anscheinend nicht da sie das ab können?! Über den genauen Sinn und Zweck konnte ich leider nichts in Erfahrung bringen. Jedenfalls ist der Anblick absolut gespenstisch, der Geruch des verbrannten Waldes tut sein übriges.

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