[Älvsbacka badplats (Östra Örten See), 17.06.2023] Eigentlich ist gerade der 20.06.2023, ich sitze mit Blick auf einen namenlosen See in meinem Bus und lasse den Tag ausklingen. Gedanklich springe ich ein paar Tage zurück und erinnere mich an Sommer, Sonne und entspannte Tage am Strand. Wobei die Geschichte mit der Entspannung im Prinzip auf fast jeden Tag hier übertragbar wäre, nur eben in unterschiedlicher Schattierung und Ausprägung.
Ich habe mir die Freiheit genommen geschlagene zwei Tage am selben Platz zu verbringen, bei 25Grad um 9Uhr Morgens (über den Tag dann über 30Grad) und knallendem Sonnenschein Nonstop würde etwas anderes auch keinen Sinn ergeben. So lasse ich mich in meinem Campingstuhl am Strand (in Schweden macht man das offenbar so) treiben und pendel zwischen Lektüre und dem angenehm temperierten Östra Örten hin und her. Meinen Bus habe ich unterdessen auf die angrenzende Wiese verfrachtet, welche als Ausweichparkplatz für die hiesigen Tagesbesucher dienen soll, und Campern wie mir als Stehplatz dienen darf. Es ist nach wie vor für mich erstaunlich wie unkompliziert man hier mit dem Thema Wildstehen umgehen, vor allem da es zwar das Jedermannsrecht gibt, dieses für Wohnmobile und ähnliche Gefährte keine Anwendung findet.
Darüber hinaus nutze ich das gute Wetter für einen ersten Waschtag (meiner Klamotten), unterm Strich kann ich bisher die Bilanz ziehen, dass ich mal wieder zu viel Kleidung eingepackt habe, mal sehen wie sich das noch entwickelt, es wird wohl nicht immer so sommerlich bleiben das man tagtäglich in kurzen Sachen rumlaufen kann.













[Sörbybadet (Lakensjön), 18.Juni] Ich wache auf von einem ungewohnten Geräusch. Es plätschert leicht, aber mit Nachdruck auf mein halb geöffnetes Dachfenster und auf das Blechdach anbei. Was sich auf den ersten Blick absolut fantastisch anhört, führt im zweiten Gang zu einem leichten Nieselregen im Bereich unter dem Fenster wo ich mich in liegender Position befinde. Offenbar ist es Zeit aufzustehen, wichtiger noch, die Dachluken zu schließen. Gemacht – getan. Im stärker werdenden Regen nehme ich ein ausgesprochen erfrischendes letztes Bad am Älvsbacka badplats bevor mich ein Blick auf die WetterApp darüber informiert dass ich mich auf eine ausgedehnte Regenfront einstellen kann. Zwei bis drei Tage orakeln die hiesigen Wetterfrösche. Mal sehen was daraus wird.
Ich nutze die Gunst der Stunde und bewege mich eine knappe Stunde weiter nördlich an den Lakensjön und verbarrikadiere mich bei immer widrigeren Bedingungen in meinem Bus und mache mir einen gemütlichen Lesetag.









[Sunne – Ojervik Badplats (Mellan-fryken), 19.Juni] Der nächste Morgen beginnt wie der gestrige Abend aufgehört hatte. Mit Regen. Ich habe mittelprächtig bis ausbaufähig geschlafen, bei starkem Regen gleicht meine Blechbüchse trotz Isolierung einem Metallfass welches aus Gründen mit einem Holzprügel malträtiert wird. Zwar unnachgiebig, dafür aber sehr laut.
Ich stehe bereits um 6Uhr auf und fahre entnervt und übernächtigt nach Sunne, dem größten Ort in der Gegend, stelle mich dort an den Hafen und schlafe noch zwei Stunden. Im Laufe des Vormittages traut sich dann auch die Sonne wieder hervor sodass man sich wieder draußen aufhalten kann.
Mittags nervt mich der Trubel im Ort bereits wieder weshalb ich mich nach Süden begebe um am Ojervik Badplats welcher am Mellan-fryken liegt den Rest des Tages und die Nacht zu verbringen.
Ein kleiner Spaziergang zur örtlichen Bahnstation offenbart einige historische Nachbauten und Infotafels über die Geschichte dieses Fleckens Erde im 20.Jahrhundert wo der Strand an dem ich nun stehe Teil eines groß angelegten Umschlagplatzes für Holz war. Dieses wurde offenbar aus dem gesamten Umland des ausufernden Sees über den Wasserweg hierher geflößt. Auf dem großen Gelände gab es dann Platz für eine Ziegelei (wofür das Holz vermutlich als Brennstoff diente), eine Hobelei um das Holz weiter zu verarbeiten und neben weiteren Gebäuden noch den Bahnhof der das verarbeitete Material auf die weitere Reise schickte.
Von dem damaligen Gelände (siehe historische Fotos) steht heute nur noch der geziegelte hohe Schornstein der Ziegelei und Teile des Bahnhofes. Die restliche Anlage wurde renaturiert und ist heute zum größten Teil bewaldet.


















[Lomsen, Värmland (Nordküste) – Vallviken vidkläggen, 20.06.2023] Heute früh bin ich nach dem Frühstück wieder gen Nordwesten aufgebrochen. Die Straßen bzw Pisten sind inzwischen exakt so wie man sich Schweden vorstellt. Unendliche Wälder links und rechts, nur unterbrochen von Seen und dem einen oder anderen alleinstehenden Haus und Gehöft. Wenn man denkt die asphaltierte Straße könnte nicht mehr kleiner werden wird sie zu einer geschotterten Piste die weiter ins Nichts führt. Mein heutiges Ziel liegt nahe der norwegischen Grenze am Lomsen. Wer einen Blick auf die Karte wirft wird feststellen dass hier absolut nichts mehr ist außer Wald. Und Seen wie gesagt. Und Bären und Elche. Irgendwo da draußen. Ich habe vor eine Wanderung zu machen, den Sieben-Höfe-Weg. Geschichtsträchtig und hoffentlich unterhaltsam.
Im Vorfeld hat mich Marius mit dem Hinweis auf wild lebende Bären ein wenig unter Strom gesetzt, vermutlich wäre es tatsächlich clever eine Bärenklingel oder Spray mit zu haben. Habe ich aber nicht, sollte ich mir aber eventuell noch zulegen. So geht es mit leichtem Herzklopfen auf die 9-Kilometer Tour.
Den Namen Sieben-Höhe-Weg ergibt sich aus den sieben Waldbauernhöfen welche man passiert wenn man die alten Wald- und Karrenwegen entlangwandert. Ursprünglich ansässig waren hier die Waldfinnen welche die Höfe zwischen 1730 und 1800 anlegten. Bewirtschaftet wurden sie teilweise bis in die 1980er Jahre bevor sie aufgegeben wurden. Heute sind sie entweder in Privatbesitz oder werden von örtlichen Kulturvereinen gepflegt und zum Teil auch teiljährig bewirtschaftet. Lediglich ein Bauernhof ist leider dem Verfall anheimgefallen, die Besitzer scheinen kein Interesse am Erhalt zu haben.
Der abwechslungsreiche Weg führt mich durch verschiedene Waldgebiete und Freiflächen bei stehts anspruchsvollem Geläuf, außerdem geht es durchaus auch den einen Meter bergauf und bergab.
Nach etwa 3.5Kilometern wartet ein besonderer Moment auf mich, im betrete erstmals Norwegen. Ein leichtes Grinsen schleicht sich auf mein Gesicht, irgendwie schön so ein Moment, auch wenn es eigentlich nur eine Landesgrenze ist. Die hier nur von einem kleinen Hinweisschild markiert ist.
Mein Highlight ist der letzte Hofe, der Ritamäki Finnenhof, welcher im Naturschutzgebiet liegt. Ein schönes Ensemble an alten Gebäuden fügt sich hier in die Landschaft ein, welche von mit Steinen durchsetzten Wiesen geprägt ist (im Bereich des Bauernhofes, abseits ist wie sonst auch überall Wald). Diese werden alljährlich zur Heuherstellung genutzt, außerdem sind in den Sommermonaten Kühe auf den Wiesen. Für den Erhalt der gesamten Anlage zeigt sich der Heimatverein von Lekvattnet verantwortlich welcher denn Hof im Sommer auch bewirtschaftet. Bei einem heutigen Besuch ist davon aber noch nichts zu sehen, es scheint noch zu früh im Jahr zu sein.
Beschließen tue ich den Tag nach einem kleinen Zwischenstopp bei einer außergewöhnlichen Holzkirche bei Vallviken vidkläggen, wie fast üblich an einem Badeplatz. Der See hat keinen Namen. Nunja, man kann nicht alles haben.



















































[Fämtfallet, 21.06.2023] 18:22Uhr, Peter Fox feat Adriano Celentano mit Toscana Fanboys dringt aus der Musikbox. Der Vibe ist einfach geil, auch wenn ich gerade nicht in der Toscana sondern in Schweden bin. Fühlt sich trotzdem gut an. Von draußen tönt dumpf der nahe Wasserfall hinüber, wird zeitweise vom Regenprasseln auf dem Busdach übertönt. Im Pool vor dem Wasserfall habe ich eben nach meiner heutigen Wanderung eine erfrischendes Bad genommen, das zweite bereits.
Gestartet war ich heute früh nach einer sehr erholsamen Nacht im See ohne Namen mit besagtem Bad. Zwischenstopp am ICA in Torsby, dann durchs Nichts und entlang des Karälven. Ein überdurchschnittlich großer Fluss der sich von Norwegen startend durch Schweden schlängelnd seinen Weg zum Vänern sucht.
Nördlich von Manäs verlasse ich die Hauptstraße gen Osten und lande dort wo ich nun eben bin. Am Fämtfallet. Wie schon der gestrige Ausflug ein Ort mit Geschichte wie ich bei meiner Wanderung feststellen darf. Auf den ersten Metern eröffnet sich die Welt eines alten Wasserkraftwerkes von dem heute nur noch einige Mauern und alte Gerätschaften übrig sind.
Meine Wanderung erstreckt sich heute über circa neun Kilometer, entlang des Gebirgsflusses der sich im Laufe der Jahrhunderte tief in den Untergrund gegraben hat. Der Pfad geht bergauf, bergab, mal über, mal in der Schlucht. Umgeben von wieder mal unterschiedlichster Vegetation riecht es intensiv nach Wald und Wasser, traumhaft! Den Turnaround gibt es nach 4.5 Kilometern bei einer Hängebrücke über den Fluss und einem nahegelegenen alten Staubecken, dann folge ich der Route auf der anderen Seite des Flusses wieder abwärts. In fast jeder Hinsicht lohnenswert, einzig die Mücken machen mir mal wieder zu schaffen. Irgendwann gewöhnt man sich aber auch daran und das kühle Nass zum Abschluss lässt die meisten juckenden Stiche vergessen.
Eine halbe Stunde nach meiner Rückkehr frischt der Wind auf und es ziehen bedrohlich dunkle Wolken auf aus denen es inzwischen wie schon angesprochen ordentlich regnet. Gut das ich vor meinem zweistündigen Ausflug in die Wildnis nicht geschaut habe wie das Wetter werden soll.
Ich werde mich dann mal verköstigen. Guten Appetit und bis zum nächsten Ritt.




























[Halgaleden – Badplats Brintbodarna, 22.06.2023] Tag drei der Wanderoffensive. Und aus der Retrospektive für die nächsten Tage das letzte Mal das ich mich in meine Wanderschuhe mühe. Das hört sich erst mal schlimmer an als es ist bzw war, aber aller guten Dinge sind drei und man soll aufhören wenn es am schönsten ist. Hauptursache für mein Vorgreifen auf die Aktivitäten der nächsten Tage ist vor allem der Mora-Plan, zum anderen die Tatsache das meine Waden dringend eine Mückenpause brauchen und mein Knie sowieso nach ausgedehntem Nichtstuen schreit.
Startpunkt war heute nach 35 Minuten Autofahrt das Wandergebiet Brattfallet-Halgaleden. Ausgangspunkt für drei Wanderoptionen in unterschiedlicher Länge und Örtlichkeit. Ich nehme alle drei wahr weshalb sich die Gesamtdistanz am Ende auf 10 Kilometer zieht.
Die erste Runde drehe ich Flussaufwärts, Highlight sollte eigentlich wie schon am Vortag ein tosender Wasserfall sein, mit Blick auf die folgenden Bilder wird aber klar das der gute alte Klimawandel auch hier schon Einzug gehalten hat. Dank deutlich zu wenig Regen ist der ehemals reißende Strom zu einem lauen Bächlein verkommen. Die kleine 3 Kilometer lange Route ist dennoch schön, vor allem auch dank weniger Mitflieger (Mücken).
Das ändert sich dann auf der zweiten, längeren Strecke. Diese führt an zahlreichen informativen Schildern zur Geschichte der Region (in Bezug auf das natürliche Erscheinungsbild) vorbei und zu meinem Leidwesen entlang des Unterlaufes des Baches der später in den Klarälven mündet. Auf dem Weg dahin durch malerische Schluchten führt und dort im Laufe der Jahrhunderte Auen und andere stehende Gewässer ausgebildet hat in denen sich besagte Mücken regelrecht pudelwohl fühlen und mich in der Folge hartnäckig und schmerzhaft über ihre Anwesenheit aufklären. Ein absoluter Traum in Schwarmform dem ich vermehrt durch Laufabschnitte versuche zu entkommen. Hoffnungslos!
Damit ist diese zweite Etappe am Ende zwar lehrreich, aber auch über die Maßen schweißtreibend. Ein Grund mehr den Tag wie schon so oft an einem See mit Badestelle ausklingen zu lassen. Mehr oder weniger zufällig verfahre ich mich an den Badplats Brintbodarna wo ich den Tag ausklingen lassen werden. Wo Anfangs vier weitere Camper stehen sind inzwischen zwei weitere dazu gekommen, mal sehen wo das noch hinführt. So langsam merkt man in jedem Fall das es Sommer wird und in einigen Regionen Ferien sind.
Ha en trevlig kväll och en god natt.
























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