[Mysusaeter (oberhalb, Rodane Nationalpark), 01.07.2023]
Tag Zwei im Nationalpark Rodane, ich breche nach einem kleinen Frühstückssnack auf um die Berge des Rodane-Nationalparks zu umrunden um mir die ganze Geschichte von der anderen Seite anzuschauen, vor allem mit dem Wissen dass man dort deutlich weiter hoch kommt, sowohl mit dem Auto als auch zu Fuß. Unterwegs flasht mich zunächst die Aussicht von einer hochmodernen Plattform auf den See nebst schneebedeckter Berge im Hintergrund, danach werde ich spontan vom Vannbruks-Museum zum anhalten motiviert. Leider hat dieses nach eingehender Inspektion nicht geöffnet, lediglich die angrenzende dazugehörige alte Sägerei lässt einen Blick in ihr Inneres zu. Die gesamte Anlage beweist die Kreativität früherer Menschen die Kraft des Wasser zu nutzen. Mithilfe umgeleiteter Wassermassen konnte im Inneren des Gebäudes die maschinelle Verarbeitung der Stammware vollzogen werden ohne dafür menschliche oder tierische Kraft aufwenden zu müssen. Davon abgesehen sieht das ganze Ensemble sehr brauchbar aus.
Weiter führt mich mein Weg über eine weitläufige Hochebene, augenscheinlich nur von Schafen bewohnt die hier gemächlich von einem Grasbüschel zum nächsten wandern und dabei immer wieder verträumt den Blick in die Ferne richten.
Ein kurzer Abstecher ins Tal und einer sehr ungewohnten Fahrt auf einer Autobahn (incl. digitaler Tunnelmaut, mal sehen wann und wie ich die bezahlen soll), dann geht es in endlosen Serpentinen wieder den Berg hoch was man meinem leidgeplagten Auto hinterher auch „anriecht“. Nach einer obligatorischen Bergmaut (5€) und weiteren Serpentinen, diesmal allerdings auf Schotterwegen, komme ich auf einem riesigen Touristenparkplatz an, Camping natürlich verboten.
Von hier aus kann der geneigte Tourist nun die weitere Reise zu Fuß oder per Leihrad (auf dafür ausgewählten Wegen) angehen.
Ich entscheide mich für mein eigenes Fahrrad, gewusst wie eben. Mein Ziel ist ein Bergsee mit angrenzender Lokalität und Unterkunft, Zeltplatz und einer Bootsanlegestelle. Nur gucken. Alles andere würde den finanziellen Rahmen in jeglicher Hinsicht sprengen. Nur für die gute Aussicht lohnt sich der Ausflug aber auch! Endlose Weiten, meistens mit den schneebedeckten Bergen in der Ferne, und irgendwo lauert der nächste spektakuläre Wasserfall.
Campieren tue ich heute zwei Kilometer unterhalb mitten im Feriengebiet (mit schönen kleinen Häuschen und wenig Menschen).





























[Lom (am Ottasee, an der Brücke, 02.07.2023]
Am kommenden Morgen geht es bei leichtem Regen wieder ins Tal. Offenbar ist Sonntag und anders als noch in Schweden haben hier die Läden am für manche Menschen heiligen Wochentag nicht offen. Nunja, verhungern tut man so schnell ja nicht, zumal ich mich unterdessen erstmal als Angler versuchen werde, Marius Rute ist seit unserer gemeinsamen Zeit in meinem temporären Besitz und in einem Angelladen konnte ich unlängst wichtiges Zubehör erwerben.
Meine ersten Versuche auf dem Weg nach Lom bleiben allerdings erfolglos, ebenso wie der nachmittägliche Versuch am Ottasee (halblegal, wer’s kennt liken).
Wenigstens das Wetter wird wieder besser sodass ich den sehr touristischen Ort per Fahrrad erkunde, neben dem beeindruckenden einmündenden Fluss ist die mittelalterliche Stabkirche aus Holz mit Steildächern sehenswert und das örtliche Freilichtmuseum welches unter anderem 21 Blockhäuser aus verschiedenen zeitlichen Epochen zeigt sowie ein dreistöckiges Lagerhaus aus dem Jahr 1613 welches das größte des Landes ist. Darüber hinaus ist ein altes Bewässerungssystem bemerkenswert welches in der Vergangenheit mehrere Dutzend Bauerngehöfte entlang der Westseite des Bovra River mit Wasser versorgte. An diesem weitläufigen wie steilen nach osten ausgerichteten Hang regnet es ähnlich wenig wie in der Wüste, dadurch dass sie der Niederschlag stehts auf der anderen Bergseite abregnet.
Unschöner Nebeneffekt der steiler werdenden Berge ist inzwischen, dass sich mögliche Stellplätze rar machen, so stehe ich am heutigen Platz am Abend eng gedrängt mit acht anderen Wohnmobilen. Vermutlich auf ein Nebeneffekt der unsäglichen Park4Night (und anderen) Apps, das dieser Spot dort gelistet ist habe ich leider erst zu spät gemerkt, andernfalls wäre ich vermutlich woanders hin gefahren.






















[Billingen, 03.07.2023]
Weiter geht es, entlang von Postkartenmotiven, beispielhafte findest du in der folgenden Galerie, in den nächsten Nationalpark. Namentlich als „Reinheimen“ bekannt (oder eben nicht).
Hier finde ich Platz neben einem tosenden Bergbach und mache mich trotz bescheidenem Nieselwetter auf den Weg, allerdings lediglich etwas über 3km, fühlt sich dank starken Steigungen aber wesentlich weiter an. Der Rundweg ist ausgesprochen liebevoll gestaltet, die Info-Points und schöne Ausguckstellen machen richtig Spaß! Abgesehen von der illustren Naturauswahl dieser Gegend, mal wieder!





















[Glomnesfossen (Oppstrynsvatnet-See), 04.07.2023]
Für den heutigen Tag habe ich mir eine Mischung aus Auto-Sightseeing (man muss sich den örtlichen Gegebenheiten ja auch anpassen), klassischer Wanderung und Angeln vorgenommen. Gestartet wird wenig überraschend mit dem entspannten, da sitzenden Teil. Anstatt die handelsübliche gut ausgebaute Landstraße durch die Täler zu nehmen biege ich links auf die nächste Schotterpiste ab um die alternative Passroute zu nehmen. Die hat mal wieder einiges zu bieten! Neben eisigen Temperaturen um die 6 Grad erhasche ich sensationelle Blicke auf die Berge, zugefrorene Bergseen und einsame Hütten hier und da. Und dann, lange nichts. Was auf der einen Seite mit gutem Wetter (kein Regen) begann, verflüchtigt sich auf der halben Strecke und endet in einem undurchdringlichen Wolkendickicht mit Sichtweiten unter 20 Metern. Was zunächst einmal recht witzig klingt ist mit einem Van auf einspuriger Straße mit Gegenverkehr nur so halb geil. Aber machbar, bei moderatem Tempo 30 lässt sich jedes Wassertröpfchen einzeln begutachten.
Am Ende geht es dann aber doch wieder bergab und es erschließt sich das nächste Spektakel. Aus den relativ seichten Bergen der letzten Tage sind nun unglaublich steil ansteigende Kolosse geworden, im Regelfall bewaldet und mit weißen Farbtupfern hier und da. Im Tal gibt es dann natürlich den obligatorischen türkisen See.
Entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten habe ich mir diesmal einen kostenpflichtigen Platz ausgesucht, für immerhin 10€ lässt es sich hier direkt am See aushalten. Dafür wird einem neben der spektakulären Aussicht allerdings nichts (WC o.ä.) geboten. Aber wer braucht so was schon, was man braucht aht man ja bekanntlich mit dabei. Als Einschätzung: jeglicher Service wie besagte Toilette kostet in der Regel 30€ aufwärts, Duschen und andere Späße sind dann noch extra zu bezahlen. Norwegen ist eben teuer.
Am Nachmittag setze ich dann den zweiten Tagespunkt um. Wandern. Es ist nass, regnet aber immerhin nicht. Der Rundweg führt mich über (eigentlich) 6 Kilometer in ein naturnahes Tal hinein, überquert an zwei wunderschönen Häusern den dort verlaufenden Gebirgsbach und geht dann in einer großen Schleife durch eine extrem nasse Landschaft zu einem alten Bauerngehöft bevor es dann steil wieder bergab, an einem Wasserfall vorbei wieder an den Ausgangspunkt zurück. Am Ende schwimme ich in meinen Schuhen, so nass ist es!
Auf dem ersten Drittel des Weges gibt es zudem einen Abzweig mit der Möglichkeit durch weitere 3km Strecke einen Aussichtspunkt mit spektakulärer Aussicht zu erreichen was ich mir natürlich nicht nehmen lassen will. Ich habe die Rechnung allerdings ohne die Feuchtigkeit und die Art des Pfades gemacht. Nach gut 2/3 der Strecke muss ich leider kehrt machen da der Weg immer steiler (man muss klettern) und glatter wird. Nicht die beste Idee wenn man alleine unterwegs ist. So werden aus den geplanten sechs Kilometer am Ende über acht.
Abends übe ich mich weiter im Bereich der Sportfischerei. Immerhin 5 Forellen finden am Ende den Weg an meine Rute, alle werden aus Gründen der Größe zurück in die Freiheit entlassen.





















































[Lovatnet-See (mehrere Spots), 05.07.2023]
Auf zum ersten Fjord meines Lebens. Der Innvikfjorden. Der schlängelt sich schätzungsweise zwischen 100 und 200 Kilometer ins Landesinnere und bietet damit Kreuzfahrtschiffen die Möglichkeit weit ins Landesinnere vorzustoßen. Für mein Verständnis eine unnötige Umweltverschmutzung sondergleichen, aber das muss jeder für sich selbst wissen. Meins wäre es in keinem Fall. In Loen wo die steilste Seilbahn der Welt ihren Standort hat wird mir dies einmal mehr bewusst. Hier werden die Schiffsreisenden zu hunderten in Beibooten an Land gekarrt um sich dort dann für schlappe 55€ auf den Berg gondeln zu lassen. Foto machen, wieder runter und weiter geht die Bootstour. Ganz toll. Naja, rein optisch passen diese riesigen Kähne auch eher weniger in die Landschaft. Davon abgesehen hat der Fjord in diesem Bereich locker 4 Sterne verdient.
Mein Weg führt mich heute schlussendlich nicht an den Fjord sondern in das angrenzende etwas höher liegende Tal mit dem Lovatnet See im Zentrum.
Zunächst parke ich mein rollendes Zuhause unterhalb am Flusslauf und erkunde den See per Fahrrad. Die einseitig einspurig angelegte Straße bietet neben sinnvollen Ausweichstellen für die lauffaulen Touristen im Auto vor allem sensationelle Blicke auf die massiven Berge, Gletscher und eine hohe Dichte an Wasserfällen. Auf meiner Tour entdecke ich ein paar wenige mögliche Spots zum stehen, von denen ich am Nachmittag einen anfahre und den Tag auf der angrenzenden Almwiese in der Sonne ausklingen lasse.
Heute (06.07.) möchte ich zunächst einmal herzlichste Grüße in schriftlicher Form zu Papier bringen. Alles Gute!
Ansonsten habe ich mir heute einen klassischen Triathlon in den Bereichen Fahrrad fahren, Wandern und Schwimmen gegeben. Angefangen hat alles mit einer kleinen Autofahrt bis ans Ende des Lovatnet Sees wo die Aussicht auf 20€ weniger im Portemonnaie zur Benutzung der folgenden Straße wenig Zustimmung bei mir findet. Also parke ich etwas weiter vorne und schnappe mir mein Bike. Erstes Ziel ist der größte hiesige Gletscher der dankenswerterweise an dieser Stelle per Fahrrad zu erreichen ist (damit auch per Auto oder Bus, was irgendwie lächerlich ist). Lediglich die letzten 200 Meter muss man per Fuß zurücklegen.
Danach entschließe ich mich noch die zweite Option, dh. drei weitere Gletscher, wahr zu nehmen, was zunächst heißt: weiter mit dem Fahrrad. Diesmal aber nicht wie davor mit entspannten Steigungen. Es geht im Stile einer Tour-de-France Bergetappe innerhalb von fünf Kilometern 500 Höhenmeter bergauf. Was sich anfangs nach einer fantastischen Herausforderung anhörte wird spätestens nach dem ersten Drittel zur Zerreißprobe für den Körper. Dafür kann das Ziel dann mal wieder in jeglicher Hinsicht überzeugen. Zu Fuß geht es weiter zunächst an einer Ansiedlung vorbei welche heutzutage recht ungewöhnlich damit aufwartet, dass alle Häuser in einer Reihe angelegt sind. Dies geht darauf zurück, dass die Siedlung in einem der letzten Jahrhunderte durch eine Schneelawine komplett zerstört wurde. Beim Wiederaufbau entschloss man sich als Vorsichtsmaßnahme die Häuser nun hintereinander weg zu bauen, mit dem Lagerhaus an erster Stelle. So wären alle folgenden Wohnhäuser im Falle einer erneuten Katastrophe besser geschützt.
Ich beschließe die Wanderung mit dem Weg zum Gletscher. Diesem komme ich zwar auch nicht ganz nah, aber immerhin bis zum angrenzenden Geröllfeld, ab hier wäre durch mögliche Steinschläge ein weitergehen nicht sonderlich empfehlenswert.
Nachdem ich per Bike-Express den Rückweg bergab in 12 Minuten (Hinfahrt 1h16min) bestreite vollende ich die sportliche Tagesschallenge mit einem Bad im Lovatnet See. Direkt am einmündenden Fluss verspricht das Wasser winterliche Temperaturen. Und es hält sich, geschätzte 6-8 Grad lassen meine sportlichen Aktivitäten wasserseits recht schnell erlahmen weshalb ich am Ende lediglich 5 Meter Strecke aufweisen kann. Immerhin.















































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