Logbucheintrag 046 – 057

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[Refviksanden, 08.07.2023] Ich schreibe diese Zeilen am 18.07. diesen Jahres. Wer ein wenig in Mathe aufgepasst hat wird die zehn Tage zurückrechnen können. Irgendwie habe ich die letzten anderthalb Wochen keine Muße gehabt mich an den Laptop zu setzen, mal sehen wieviel der verflossenen Tage ich noch auf meiner Festplatte finde.

Nach einem Tag Off am See (7.07.) habe ich mich nunmehr weiter gen Westen aufgemacht, Ziel ist nun endlich das Meer. Als erste Anlaufstation habe ich mir Refviksanden herausgesucht, zunächst einmal aus dem Grund dass ich der Meinung war dass dieser Spot weniger bekannt und damit besucht sein dürfte als die weiter nörlich gelegenen Surfspots Hoddevik und Ervik. Das sollte sich schnell als Trugschluss erweisen, wie der Zufall es so wollte fand ausgerechnet an diesem Wochenende das alljährliche Strandfestival statt. Dementsprechend war es nicht nur voll, sondern sehr voll in der gesamten Bucht. Der hiesige Camping komplett ausgebucht und auf den angrenzenden Wiesen fanden sich ebenso viele Camper wieder. Nachdem ich es aber schon bis hierher geschafft hatte habe ich mir unweit des Strandes auf dem Weg zur kleinen Hafenmole einen schönen Spot gesucht und dort zwei Tage verbracht.

Wie der Forecast schon vorausgesagt hatte war das Meer always flat was mir die Möglichkeit öffnete ausgiebigst zu angeln (mit großem Erfolg) und die Gegend via Fahrrad zu erkunden. Nach der langen Zeit im gebirgigen Hinterland ein toller Kontrast. Zwar ebenso steil und reich an Höhenmetern wie im Landesinneren, dafür nach Westen hin mit den endlosen Weiten des Ozeans.

[Molo Krakenes Fyr] Nach zwei sonnigen Sommertagen schlägt das Wetter um, Regen und Wind kommen daher, für mich geht es für eine Nacht an die Steilküste. Ab übermorgen soll es auf dem Wasser endlich etwas surfbares geben, die Vorfreude steigt!

[Ervik, 11.07.2023] Eigentlich ist die Ortsbezeichnung irreführend da ich als Ort für gewöhnlich meinen Schlafplatz angebe, allerdings werde ich die Tage bis zum 16.07. überwiegend am Strand von Ervik verbringen. Im Nachgang eine erstaunlich lange Zeit die ein wenig im Gedankenmeer abgetaucht ist. Ein klassisches Phänomen wenn man sich in Tätigkeiten ergibt welche bekannt sind und oberflächlich betrachtet wenig Neues bieten. In meinem Fall ist das die Surferei und das Sein am Meer. Sei es das beobachten der Wellen, der Surfer oder ein ausgedehnter Spaziergang am Strand.

In Ervik ist das Campen im Bereich des Strandes verboten, es gibt zwar eine kleine Wiese wo man sich gegen ein Endgeld häuslich niederlassen kann, das kommt aus kostentechnischen für mich aber nicht in Frage. Daher suche ich mir allabendlich einen Schlafplatz etwas weiter im Landesinneren. Beispielhaft wäre hier die 30 Minuten entfernte Bucht bei Honningsvag zu nennen wo ich eine Nacht direkt hinter einem Tunnel 50-80 Meter über dem Meeresspiegel verbrachte. Oder ein Ausflug an die Südküste der Halbinsel bei Stighola wo ich direkt an den Fischhütten stehen konnte. Ansonsten verschlug es mich zumeist 10 Minuten entfernt vom Strand auf einen kleinen Platz entlang der Serpentinenstraße.

Meine Zeit habe ich in aller erster Linie mit surfen bei zumindest an zwei Tagen unfassbar guten Bedingungen verbracht. Es war ein absoluter Traum endlich wieder auf dem Board zu stehen und von Anfang an einen erstaunlichen guten Flow zu haben. Nur geil!!

Darüber hinaus habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen das nähere Umfeld zu Fuß zu begehen, ua. Bestieg ich die südlich vorgelagerte Halbinsel mit ihren alten Militäranlagen der Braunen aus dem zweiten Weltkrieg. Neben interessanter geschichtlicher Zeugnisse hatte man vor allem auch einen atemberaubenden Blick auf die Bucht und die umliegende Küstenlinie!

Den zweiten sehr bekannten Spot Hoddevik habe ich lediglich mit einem kurzen Ausflug per Auto bedacht, dieser ist wesentlich touristischer (was hier nicht viel heißt) aber auch wunderschön! Besonders die Anfahrt über eine Serpentinenstraße in das kleine Tal, umgeben von hoch aufragenden Höhenzügen ist sehr beeindruckend!

[Alnes, 18.07.2023] Happy Birthday nach Österreich! Während die einen bei Sonnenschein ihren verdienten Familienurlaub am See verbringen sitze ich bei Regen und Sturm an der See. Ist aber nicht schlimm, ab und an ein wenig Drisswetter schadet ja niemandem. Allerdings fühlte ich mich eben bei 10 Grad Außentemperatur erstmals genötigt meine Standheizung anzuschmeißen.

Kurze Rückblende: Vorgestern, sprich am 16.7. habe ich mich von Ervik losreißen können, ursprünglich aus terminlichen Gründen die mich bis zum 19.7. nach Trondheim führen sollten, das hat sich inzwischen aber wieder zerschlagen weshalb ich die ursprüngliche Planung über den Haufen geworfen habe um weniger schnell nach Norden zu fahren.

Meine Fahrt führte mich zuerst nach Alesund wo ich nach viel Natur und wenig Zivilisation der letzten Wochen einmal das Kontrastprogramm buche. Stadion, 1.Liga in Norwegen, Fussball. Der Tabellenletzte Aalesund spielt zuhause gegen Odds BK (Platz 9). Ich finde mich wieder in einem schnukeligen Stadion was im besten Fall 10000 Zuschauer fassen kann. Heute kommen geschätzt zwischen 1500 und 2000 Fans. Neben den 10€ Eintritt investiere ich noch in einen Schal für 200NOK und sehe auf dem Spielfeld ein insbesondere in der zweiten Halbzeit spannendes Match welches der Gastgeber am Ende klar mit 0:3 verliert. Dennoch, auch aufgrund der familiären Atmosphäre eine tolle Erfahrung!

Anschließend geht es auf die Insel Godoya, erstaunlicherweise nicht per Boot sondern durch diverse tiefe und steile Tunnel. Die vorgelagerten Insel hier und weiter nördlich sind seit der Fertigstellung 2021 alle ohne Bootstour zu erreichen.

Ich schiele mit einem Auge auf den hier befindlichen Surfspot Sandvika (Alnes Lighthouse). Pointbreak, Rechte. Wenn der läuft soll er ein absoluter Traum sein. Bis hierher ist davon aber wenig zu sehen, außer mit viel Fantasie das Potential. Aktuell peitscht der Wind seit nunmehr 2 Tagen ohne Pause über die See und macht aus ihr ein Tollhaus der Wellen. Nichtmal mehr die Möwen sind in der Luft. Ich musste vorletzte Nacht spontan meinen Schlafplatz verlassen, zu starker Wind.

Eigentlich wollte ich den hiesigen Berg besteigen, immerhin gibt es ein gut ausgeschildertes Routensystem über die gesamte Insel, bei den aktuellen Bedingungen macht das aber leider wenig Sinn. Daher bleibt auch heute nur Chillen im Bus, ab und an die Nase vor die Tür halten – aber nur ganz kurz.

Das einzige was geht ist angeln, zuindest mal für eine Stunde. Hat auch mal wieder geklappt, heute gibts wie schon zuletzt leckere Makrele. Gibt schlimmeres.

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