Logbucheintrag 058 – 067

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[Sundalsora, 28.07.2023] Wir schreiben Tag 67 meines kleinen Ausfluges, ich werde gleich ein paar Tage zurückspringen um der richtigen zeitlichen Reihenfolge treu zu bleiben. Nur soviel. Heute schreibe ich die folgenden Zeilen in Sundalsora, ein unfassbar hässlicher Industrieort der sich meinen Aufenthalt einzig und allein dadurch verdient hat das einzige Kaff in der näheren Umgebung zu sein wo man zum einen einkaufen und zum anderen WLAN schnorren kann. Freitag der 28.7.23 heißt in diesem Jahr Regionalligaauftakt in der Regio-West. Für die meisten vermutlich nur eine kleine Randnotiz, in meiner Heimatstadt Aachen ist es etwas mehr. Immerhin empfängt unsere Alemannia heute um 19:30Uhr den Wuppertaler SV. Meine Dauerkarte liegt gut verstaut und vermutlich verstaubt zuhause auf der Küchenablage und kann nicht zum Einsatz kommen, ein Trauerspiel. Immerhin werden heute Abend bis zu 30000 Zuschauer erwartet, mit etwas Glück könnte sogar der Rekord von vor 6 Jahren gegen die RWE fallen. Unglaublich!!

Ich versuche jedenfalls die Chance hier heute Abend zu nutzen und wenigstens per Stream dem ganzen beizuwohnen, in der Hoffnung dass wir den WSV niederringen können. Mal sehen was der Abend so bringt.

Grundsätzlich bin ich aktuell im Trollheimen-Nationalpark unterwegs, heute im Innerdalen (angeblich Norwegens schönstes Tal), mehr dazu später. Springen wir zunächst ein paar Tage weiter zurück.

[Alnes, 21.07.2023] Ich verweile weiterhin in Alnes, der Regen und der Sturm haben sich inzwischen glücklicherweise verflüchtigt was sich dahingehend auswirkt dass ich wie versprochen auf den hiesigen Berg steige. Dieser wartet in erster Linie mit einem fantastischen Hochgebirgssee auf welchen ich umrunde und dabei das Gefühl habe komplett woanders zu sein weil das weite Meer nicht mehr zu sehen ist.

Wenig zu sehen gibt es dann leider auch auf dem Gipfel welcher sich weiterhin in eine undurchdringliche Wolke hüllt. Durch den Nebel geht es dann mehr stolpernd als gehend wieder bergab in Gefilde mit besserer Sicht.

Darüber hinaus kann sich auch der Surfspot immerhin an einem Tag beweisen, mit 3 weiteren Verrückten schnappe ich mir die eine oder andere Welle kurz vor den sich auftürmenden Felsen. Ein absoluter Spass!

Die restliche (vor allem in den ersten zwei Tagen) noch regnerische Zeit verbringe ich mit einem Pärchen aus Belgien, zumeist im hiesigen Café wo es sich bei Kaffee und Kuchen hervorragend Karten spielen lässt. Darüber hinaus führe ich sie als absoluter Vollprofi in die Kunst des Angelns ein, das Resultat: Finito nach 10 Minuten weil beim zweiten Versuch ein 62cm Köhler aus dem Wasser gezogen wird. Astrein!

[Molde, 22.07.2023] Am Morgen geht es weiter gen Molde, per Fähre und Auto in Richtung „Großstadt“ in welcher am Abend der Molde FK den Sarpsborg 08 FF empfängt. Nach dem Abstiegskick in Alesund bin ich guter Dinge dass das Duell des Tabellenfünften gegen – siebten deutlich sehenswerter werden wird.

Im beschaulichen 11249 Zuschauer fassenden direkt am Fjord gelegenen Stadion finden sich über 8000 Fans ein was im Zusammenspiel mit einem besonders in der zweiten Halbzeit guten Spiel zu einem echten Spass wird, vor allem da der Heimverein am Ende deutlich mit 5:1 gewinnt.

Am Abend findet mein Van seinen Weg zum Molde-Aussichtspunkt. Spektakulär gelegen, direkt über der Stadt in den Bergen. Es bietet sich ein Blick über den gesamten Fjord mit seinen vielen kleinen Inseln und in die dahinterliegenden hohen Berge.

Am kommenden Tag geht es hoch her. Zunächst einmal funktioniert meine Elektrik nicht mehr, ein Problem welches ich seit ein paar Tagen kommen sehe, aber einfach vor mir her geschoben habe und zunächst auch weiterhin tue. Ab in die Berge, ich erkunde das nähere Umland und besteige im Zuge dessen drei der hiesigen Gipfel mit tollen Aussichten auf Fjorde, Bergseen und Berge. Einfach gut!

Zurück am Bus erwartet mich nicht nur mit freudigem Grinsen mein nicht mehr funktionierender Bus sondern auch meine Campingnachbarn und Leidensgenossen. Das Dresdener Pärchen mit Baby sind in der zweiten von geplanten 4 Wochen Elternzeit in Norwegen unterwegs. Mit ihrem 85er VW mit demontierbarem Aufbau. Leider ist bei ihnen der Worstcase eingetreten, der Motor ist hinüber. D.h. Reiseabbruch, Rückflug und der ADAC schleppt die Karre nach Hause wo kurzerhand schon mal ein neuer Motor an Land gezogen wird. Muss ja weiter gehen.

Dagegen wirkt mein First-World-Problem einfach nur lächerlich. Mein Converter scheint nach diversen Test an diesem und an den nächsten Tagen seiner Aufgabe der Einspeisung der Solarenergie nicht mehr nachkommen zu wollen. Allerdings funktioniert wenigstens die Einspeisung via Landstrom noch wie ein Test am nächsten Tag beweist. Das führt für mich jetzt leider dazu dass ich alle Nase lang meine Batterie irgendwo laden muss, im Zweifel auf einem Campingplatz der mich dann in den Ruin treiben wird. TipTop.

[Elnesvägen Smäbathavn, 24.07.2023] Besagtes Problemchen will gelöst werden, immerhin habe ich keinen funktionierenden Kühlschrank mehr, kein Licht und was am nervigsten ist kein Wasser mehr. In einem kleinen Hafen lässt es sich für 15€/Tag gut aushalten, zumal neben Strom auch Duschen, Waschen, Trocknen und Kochen inclusive ist. Für soviel Input zahlt man hier sonst mindestens 30€, eher 35-40€. Ich nutze die Chance und komme auf alle Angebote gleichermaßen zurück, neben frischem Strom aus der Steckdose macht vor allem die erste warme Dusche seit Wochen ganz besonders viel Spass!

[Langvatnet, Haga, 25-26.07.2023] In den darauffolgenden zwei Tagen tingel ich auf dem Stück Land nördlich von Molde herum. Zwischen Strand, Angeln und Chillerei bin ich auch in den Bergen und Höhlen unterwegs. Auch wenn es eine absolute Touristenhochburg ist komme ich nicht umhin mir diese Erfahrung zu gönnen. Mein Plan früh morgens zu gehen geht voll auf, mir begegnen zwar deutlich mehr Wanderer als anderswo, aber immernoch so wenig dass man die Höhlen fast alleine begehen kann. Auf meinem Abstieg am frühen Nachmittag begegnen mir dann aber locker 150 Menschen und der Parkplatz ist gerappelt voll. Als ich am späten Nachmittag erneut dort vorbei kommen stehen die Autos mehrere hundert Meter die Straße entlang. Das kann doch dann keinen Spass mehr machen?! Schlangen am Berg und an den Höhlen. Ein Traum von Naturerlebnis.

[Innerdal, 27-28.07.2023] Morgens regnet es, Grund genug die Biege zu machen. Nach gefühlt mehreren Wochen am Meer zieht es mich wieder in die Berge, namentlich in den angesprochenen Nationalpark Trollheimen. Um dem aufgerufenen Preis von 75 NOK am Tag zu entgehen suche ich mir einen schönen Platz am Fluss etwa 500 Meter vom Ausgangspunkt vieler Wanderrouten entfernt. Neben kleineren Erkundungen verschlafe ich den Tag im Bus, zum einen weil bei teilweise starkem Regen alles andere hirnrissig wäre, und zum anderen weil ich irgendetwas ausbrüte. Schlappheit, Gliederschmerzen und allgemeines Unwohlsein inclusive. Mal sehen was das noch weiter gibt die nächsten Tage.

Heute habe ich mich davon dann nicht abschrecken lassen und bin auf die nächste große Bike-&Hike-Tour gegangen. Zunächst 5km mit dem Fahrrad mit Steigungen über 45% was mich nach einem Schwindelanfall dazu ermuntert das Rad die steilsten Stellen zu schieben. An der letzten Hütte am zweiten Bergsee geht es dann zu Fuß weiter, das Ziel ist ein weiterer, dtl höher gelegener Bergsee welcher einen riesigen Wasserfall speist. Es ist anstrengend, anstrengender als es sein sollte aber die Plackerei hat sich am Ende gelohnt. Atemberaubende Aussichten in die Täler, auf die Berge und einen Gletscher! Absolut überwältigend!

Und dann? Alles wieder runter, ab zum schwimmen in den eiskalten Gebirgsbach und jetzt sind wird hier. Nur der TSV. Habt ein schönes Wochenende.

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