Logbucheintrag 070 – 074

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[Storli, 31.07.2023] Gjora verabschiedet sich mit Regen, Gewitter und Wolken auf Augenhöhe, die auf mich zu ziehen. Zwischendurch reißt der Himmel auf und die Sonne beschert einen doppelten Regenbogen.

Am nächsten Morgen geht es dann endgültig weiter, immer noch im Naturpark Trollheimen. Es verschlägt mich ins Tal nördlich des kleinen Ortes Lonset, wo ich zunächst den Dalsvatnet (See) rechts liegen lasse, ohne ihn wirklich wahr zu nehmen, da es wie aus Fässern gießt. Am Angardsvatnet (der nächste See) halte ich kurz am süd-östlich gelegenen Badestrand, wo Camping leider verboten ist und fahre zunächst weiter nach Storli, dem letzten Örtchen im Tal, wo es sich allerdings schwierig gestaltet kostenfrei und für länger als nur den Tag zu stehen, weshalb ich ein paar Kilometer zurück fahre, um mich dort nahe der wenig befahrenen Straße nieder zu lassen.

Aktivitäten sportlichen Hintergrunds lasse ich heute ausfallen, zu unbeständig ist das Wetter.

Diese verschiebe ich auf dem 01.08. diesem Jahres. Nachdem ich mir am Vorabend zwei Optionen, Wandern oder Fahrrad fahren herausgesucht hatte, entscheide ich mich nach dem Frühstück für die Biketour, da für den Nachmittag erneut Regen und Gewitter vorhergesehen sind und dies nicht mit einer 8-10 stündigen Wanderung harmoniesiert.

Mit dem Fahrrad geht es dann los, zunächst wieder nach Storli und von dort aus der Schotterpiste folgend tief ins Trollheimen hinein, am Tovatna entlang. Wenn ich unterwegs links abgebogen wäre käme ich im Innerdalen heraus. Dort wo ich ein paar Tage vorher zwei wundervolle Tage verbrachte.

Am Ende der Piste erfolgt eine kleine Ernüchterung. Ich hatte mir bewusst diese Route herausgesucht, da auf der Wanderkarte in Storli angegeben war dass es einen für Mountainbikes geeigneten Rundweg um den Hoa (ein Berg) geben soll (Route 6). Dieser Weg war dann am Ende der Piste aber kein befahrbarer Weg mehr, sondern vielmehr ein Wanderpfad mit Kletteranteilen, weshalb ich mich am Ende für eine Umkehr entscheide und die bereits gefahrene Strecke einfach zurück fahre. Trotzdem geil!

[Minilla, 01.08.2023] Nach der beschriebenen Biketour ging es bereits am Nachmittag bei einsetzendem Regen wieder los. Ein kurzer Abstecher am Badeplatz zur Erfrischung, danach zum Einkaufen nach Oppdal (Skiort, wer shoppen will ist hier richtig) und danach ohne Navi in den Nerskogen.

Das Hochgebirge weicht hier einem weitläufigen Mittelgebirge mit breiten waldbesäumten Tälern welche teilweise landwirtschaftlich genutzt werden. Ansonsten wechseln sich Moore mit lichten Birkenwäldern ab, in denen sich an vielen Stellen norwegische Sommer- oder Winterhäuser befinden. Hier und da entdeckt man kleinere Skigebiete. Stellplätze zu finden gestaltet sich hier schwierig da neben der Hauptstraße die abgehenden Schotterpisten privatisiert oder mautpflichtig sind. Am Ende finde ich durch Zufall neben dem in den Granasjoen (See) mündenden Minilla (Fluss) einen formidablen Platz zum stehen. Pluspunkte sammelt dieser durch die anbei liegende Badestelle, die Möglichkeit zu Angeln und zudem startet hier ein kleiner Wanderweg Flussaufwärts.

Bei wechselhaftem Wetter begehe ich diesen Pfad am heutigen Mittwoch, ohne dabei bis auf den Pikfjellet (999m) zu wandern, da es unterwegs wieder zu schütten anfängt, was in T-Shirt und Shorts schnell keinen Spaß mehr macht. Auch ohne den finalen Anstieg bleiben einige sehenswerte Ausblicke und Orte im Gedächtnis und auf der Kamera.

[Trondheim (Baklidammen), 03.08.2023] Ab in die Stadt. Oder zumindest nah dran. Nachdem ich zunächst den Vormittag und frühen Nachmittag mit Kaffee trinken in einem Café, in einem mir nicht bekannten kleinen Ort verbracht habe, um gleichzeitig das Gruppen-Aus der deutschen Frauennationalelf anzuschauen, geht es weiter gen Trondheim.

Da ich es nicht lassen kann, habe ich nach einer kleinen Recherche das nächste Fussballspiel auf meiner To-Do Liste. Diesmal geht es, wenig überraschend, zum Rosenborg BK, der heute Abend im Conference-League-Qualifikationsspiel (Runde 1, Rückspiel (Hinspiel 2:2)) gegen den nordirischen Vertreter Crusader FC antreten muss.

Gespielt wird um 19 Uhr im Lerkendal-Stadion welches 21405 Zuschauer fasst. Heute kommen immerhin 11288 incl. meiner Wenigkeit. Ausgerüstet mit Schal und Karte geht es bereits 1.5 Stunden vor dem Anpfiff in das heilige Rund (wobei so rund ist es nicht). Ein fremdes Stadion zu erleben, die Eigenarten und Abläufe der heimischen Fans beobachten und mit zu erleben. Einfach toll!

Ich habe mir (wie üblich) eine Karte für den Home-Supporters-Block (Oevre-Ost) ausgesucht, um so das maximale Stadionerlebnis zu haben. Dies wird sich an diesem Abend in all seiner Schönheit zeigen!

Ich bin bereits zur Halbzeit heiser, da mich die Emotionalität und der Enthusiasmus der Trondheimer Fans nicht nur in den Bann zieht, sondern trotz hoher Sprachbarriere dazu animiert lauthals mit zu singen, zu springen, zu schreien und anderes. Spätestens wenn man sich nach einem Tor laut jubelnd in den Armen vollkommen Fremder Menschen wieder findet weiß man das man nicht nur dabei ist.

Denn es kommt heute wieder mal alles zusammen, ein mitreißendes in vielen Phasen hochwertiges Fussballspiel mit dreimaligen Führung des Heimteams und 2maligem fast direktem Gegenzug des Gegners. Strittigen Szenen in Hülle und Fülle (lautstark wird hier natürlich jeweils mit Rosenborg-Fanbrille parteiisch die Sichtweise der Heimteams skandiert), eine gelb-rote Karte für den Gegner durch eine absolute Dummheitsaktion (Ball zurückspielen ins Feld um Zeit zu schinden).

Und natürlich die Tatsache, dass das Match in die zweimal 15minütige Verlängerung geht, wo es mit drei Toren (zunächst die 2:1 Führung, dann der Ausgleich und am Ende das 3:2 Happy End) sowohl auf dem Rasen als auch auf den Rängen richtig zur Sache geht!

Es ist ein absolutes Fest! Und das bis dato eindrucksvollste Stadionerlebnis hier im hohen Norden. Einen hohen Anteil daran haben natürlich die Rosenborger Fans die diesen Besuch zu einem ganz besonderen Erlebnis machen. Sehr anders als bei uns, trotz Ultra-Kultur. Sehr viel mehr auf den Punkt, weniger langsamer einschläfernder Dauersingsang, als vielmehr knackige lautstarke Anfeuerung die sich zwar auch teilweise minutenlang hinzieht, dann aber an einem sinnigen Punkt ihr Ende findet. Die Fußballkenner unter euch werden verstehen was ich meine.

Nach dem Spiel geht es für mich und mein Auto dann in das Trondheimer Umland, wo sich knappe 10 Minuten vom Stadtzentrum entfernt in Wäldern versteckt einige kleinere Talsperren mit zahlreichen Wanderwegen, Langlaufloipen und Skipisten befinden.

[Trondheim (Baklidammen), 04.08.2023] Heute ging es dann in die Stadt. Der Morgen begrüßt mich mich Nieselregen, wenig erbaulich für einen Ausflug in die Stadt, zumal ich mein Auto nicht bewegen möchte sondern mit meinem Fahrrad unterwegs sein werde.

Am Ende siegt dann aber doch die Motivation und ich mache mich mit Kamera und Regenjacke bewaffnet auf den Weg. Zunächst geht es einige viele Höhenmeter in Richtung Innenstadt, die Tatsache dass ich den Weg hinterher wieder hoch muss bereitet mir schon jetzt große Freude.

Meine Tour durch Trondheim, entlang der bekannten Touristischen Attraktionen (Kirche, Brücke, Hafen, Burg, Altstadt), wird durch einige Schlenker hier und dahin aufgehübscht, nicht nur um den Touristenströmen zu entkommen sondern auch um etwas mehr als nur das übliche zu sehen.

Überzeugend! Neben der Tatsache dass ich dem Stadtgewusel in vielen Momenten einiges abgewinnen kann ist das Städtchen mit seinen schmalen gepflasterten Gassen, den wunderschönen Holzhäusern, kleinen Cafés und Lädchen einfach schön.

Meine Kamera habe ich im übrigen, falls ihr euch wundert dass es nicht so besonders viele Fotos geworden sind, relativ wenig genutzt, Regen und Feuchtigkeit sind diesmal Schuld.

Und am Ende, wie sollte es anders sein, geht es den Berg wieder hinauf, ab und an überholen mich ältere Semester grinsend mit ihren E-Bikes. Dafür kann ich mir am Ende verdientermaßen den Sprung in die hiesige Talsperre gönnen. Geil!

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