Logbucheintrag 075 – 087

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[Trondheim (Baklidammen), 05.08.2023] Endlich mal wieder Geburtstag. Ganz traditionell bin ich an diesem Tag im Urlaub, mein persönliches alljährlich wiederkehrendes Geschenk gewissermaßen. Dieses Jahr dann offensichtlich im schönen Norwegen unweit der Stadt Trondheim. Da ich diese wie beschrieben schon am Vortag besichtigt habe bleibt mir heute immerhin die anstrengende Fahrt dorthin, bzw. wieder zurück erspart.

Mein Alternativprogramm sieht nach einem ausgiebigen Frühstück den Besuch der nächsten Lokalität in Form eines Cafés vor. Nicht nur Treffpunkt der wenigen Touristen, sondern auch der zahlreichen norwegischen älteren Semester, die ihren Lebensabend im hügeligen Trondheimer Umland genießen, sowie der vielen Tagesausflügler die mit Sack und Pack (gemeint sind hier weitestgehend die näheren Familienangehörigen) raus aus der Stadt – rein in die Natur wollen ohne dabei auf den obligatorischen Latte Macchiato für 48 Kronen verzichten zu müssen.

Eine großartige Möglichkeit für mich sich dem Konsum anzuschließen, einen guten Kaffee zu genießen und dabei in alt hergebrachter Weise das menschliche Sein zu beobachten und die Seele baumeln zu lassen.

Einfach ein tolles Gefühl, trotz wochendlangem Off-Daseins in der vor-wilden Natur Norwegens, immer noch gesellschaftsfähig zu sein. Wobei die aktuelle Kleiderwahl dabei tendenziös in Richtung des guten alten belgischen Jugendschicks geht (like wer`s kennt), im Anbetracht der umgreifenden Lotterisierung dieses Themenfeldes fällt dies augenscheinlich immer weniger ins Auge. Ein Trauerspiel wenn aus einem gut gepflegten Stil (in meinem Fall ohne den obligatorischen Sac-Banane) schnöder Mainstream wird.

Wie dem auch sei, nach zwei Stündchen des manigfaltigen Konsums geht es zunächst zurück zu meinem Platz unweit des Baklidammen und hinein in die fast schon zerlaufen wirkenden Wanderschuhe, die händeringend nach Pflege und neuen Einlegesohlen schreien. Anlässlich dieses fantastischen Festtages habe ich mir eine anspruchsvolle 18.5km lange Wanderung herausgepickt, die mich nun endlich am dritten Tag meiner Anwesenheit im Trondheimer Umland mit diesem näher bekannt machen soll.

Die Strecke hält was sie verspricht. Durch abwechslungsreiche Landschaften, wandelnd zwischen dichten Wäldern, sumpfigen Mooren, mittelgebirgischen hoch gelegenen Freiflächen mit entsprechender Aussicht, unergründlich tiefen Seen und kleinen plätschernden Bächen geht es den Nachmittag über bei wolkigem Himmel mal hügelauf- mal bergabwärts.

Trotz meiner vielen Aktivitäten in dieser Richtung innerhalb der letzten Wochen komme ich auf den letzten 3 Kilometern doch merklich an meine Belastungsgrenze was ebenjene finalen Meter zu einer Krampfung der besonderen Art verkommen lässt, zumal sich lobenswerterweie auch mein geschundenes Knie nach Wochen der Stille wieder zu Wort meldet.

Am Ende gelingt bei einsetzendem Regen und unter großem Applaus der blöckenden Schafe am Wegesrand dann aber die Rückkehr zum Bus. Belohnen tue ich mich im Anschluss mit einem Bad im See bevor es mit weißen Fingern bibbernd durch den 10 Grad kalten Regen in den Van geht. Tee aufsetzen und essen. Genug der Aktivitäten für diesen fantastischsten Tag im Jahr.

[Osstraumen/Sundabukla (bei Sandviksberget), 06.-10.08.2023] Ein paar Tage sind unterdessen vergangen, und damit ein fast zwangsweiser Zeitsprung von meinem Geburtstag zum heutigen, größtenteils sonnigen Donnerstag.

Ein kurzer Rückblick führt dazu dass ich mir meiner eigenen Dummheit bewusst werde die sich in diesem Fall primär am 06. August abspielte. Nach einer leichten Überanstrengung welche der mittellangen Wanderung am Vortag geschuldet war, habe ich mich am Tag nach meinem Ehrentag mit starkem Muskelkater und aufkommendem Schnupfen auf die Landstraße weiter gen Norden gemacht, zunächst per Fähre und danach den kurvigen Straßen des Landstriches nordwestlich von Trondheim folgend.

Beeindruckend ist (mal wieder) die landschaftliche Vielfalt und Schönheit! Ankommen tue ich schließlich unweit des Ortes Sandviksberget in Spuckweite zum Meer, welches hier entlang von runden Bergkuppen ein wenig ins Landesinnere vordringt. Hier campieren zwar weitere 6 Camper, die fröhlich aus dem Wasser springenden Fische motivieren mich aber trotz des Andranges mir ein schönes Plätzchen zu suchen und umgehend leicht bekleidet mit der Angel auf Fischfang zu gehen.

Erfolgreich, wie mein Magen mir am Ende des Tages mitteilt, leider dank schlechter Kleidungswahl und aufkommendem stürmischen Winden inzwischen mit ausgewachsenem Schnupfen und weiteren Anzeichen einer sommerlichen Erkrankung.

Was sich zunächst harmlos anfühlte hat sich bis zum heutigen Tage zu einem handfesten grippalen Infekt gemausert der mich immerhin 3 Tage mehr oder weniger ans Bett gefesselt hat. Kurze Spaziergänge unter Schweißausbrüchen und erneute Nahrungsbeschaffungsmaßnahmen mal ausgeklammert.

Nebenbei bin ich in einem ausgewachsenen Sturmtief hängen geblieben was die nächtliche Ruhe der letzten beiden Nächte auf ein absolutes Minimum beschränkte. Ein absoluter Traum in der Gesamtkomposition.

Glücklicherweise geht es meiner Gesundheit und damit auch mir am heutigen Tag wieder vergleichsweise gut, auch wenn ich mir weiterhin wenig zumuten mag, um die Geschichte nicht zu verschleppen. Ein paar Meter weiter wird es mich heute vermutlich dennoch treiben, ich möchte hier ja nicht sesshaft werden, außerdem ist für den morgigen Freitag ein seltener Besuch auf einem Campingplatz geplant dem ich mich langsam nähern möchte, nach nunmehr 16 Tagen neigt sich die Kapazität der Boardbatterie ihrem Ende zu. Auf der einen Seite aus finanzieller Sicht nervig, auf der anderen bin ich doch erstaunt wie lange das gute Stück ohne Ladung ihren Dienst verrichtet. Ich hatte mit deutlich kürzeren Intervallen gerechnet. Adios und Goodbye. Bleibt gesund ihr Lieben.

[Holmset Camping, 11.08.23 – Grunastadvatnet (Ostufer), 12.08.2023 – Landskjaerbukta, 13.08.2023 – Bindalseid, 14.08.2023 – Djupvika, 16.08.2023] Fünf Stationen in sieben Tagen, dh. viele kleine Veränderungen innerhalb kürzester Zeit. Ich bewege mich langsam aber sicher weiter nach Norden, ohne Plan und Ziel. Das Naviziel was ich mir ab und an setze habe ich in letzter Zeit nicht mal mehr annähernd erreicht da mir unterwegs immer wieder tolle Plätze zum verweilen ins Auge gefallen sind. Wieso dann weiter fahren?

Angefangen mit einem kleinen Ausflug auf den Camping Holmset. Direkt am Fluss Oysterelva gelegen. Wenn ihr hier in der Ecke unterwegs seid, ein Besuch lohnt sich! Von sehr liebenswerten NorwegerInnen geführt, fantastische warme Duschen (fast das Hauptargument für mich wenn ich auf einem Camping bin), die Möglichkeit zu waschen und für mich natürlich auch sehr wichtig – die Möglichkeit meine Boardbatterie aufzuladen.

Nach einem kleinen aber schönen Zwischenstopp am nächsten Tag am Grunastadvatnet verbringe ich den nächsten Tag an einem kleinen Hafen (Landskjaerbukta) wo es nach einer sehr erfolgreichen Angelsession mal wieder Fisch auf der Speisekarte steht. Träumchen.

Am 14.08. geht es dann wieder in die wilde Natur, durch viel Zufall und einer potentiellen Wartezeit von mehr als 1.5Stunden am nächsten Fährhafen finde ich unweit der Ortschaft Bindalseidet einen tollen Platz im Mündungsgebiet des Flusses Hornelva. Nachdem ich nun schon eine Weile (krankheitsbedingt) auf sportliche Aktivitäten verzichten musste ist es mit mir am kommenden Tag eine besondere Freude mal wieder in meine Wanderschuhe steigen zu können.

Es geht hinauf auf den „Heilhornet“ der mit seinen 1058 Metern Höhe in der Gegend die höchste Ergebung ist und damit einen fantastischen Ausblick verspricht. Bei regnerischem Wetter mache ich mich morgens an den Aufstieg der im oberen drittel hochalpine Züge annimmt. Durch Geröllfelder und über Felsgrate geht es bis zum Gipfel, wo zwar nicht der erhoffte Ausblick bis nach Schweden wartet, aber dennoch spektakuläre Aussichten über den Wolken in alle Himmelsrichtungen warten.

Beim Abstieg klart das Wetter dann nach und nach auf und machen die insgesamt 1280 Höhenmeter des Tages zu einem tollen Erlebnis.

Am Tosen-Fjord bei Djupvika finde ich am 16.08. einen nächsten tollen Ort zum innehalten. Bei vorwinterlichen Temperaturen um die 12 Grad, Wind und etwaigen Regenschauern nehme ich mir einen Tag Off heraus. Intensive Angelaktionen ausgeklammert. Leider ohne Erfolg. Die Locals (die ebenfalls seit Monaten schon wenig bis nichts fangen) sind sich einig dass die lokalen Fischzuchten in den Fjorden dafür sorgen, dass sich die heimischen Fische zunehmend in der Nähe dieser Anlagen aufhalten um dort Futter abzugreifen. Ob das so gut ist.. man weiß es nicht.

Alles Gute kleiner Mann.

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