Logbucheintrag 089-111

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[Rombaksbrua (Langstranda), 28.08.2023] Auf der Suche nach Medizin. Ich bin vor einigen Wochen bzw. inzwischen Monaten von einer Zecke gebissen worden. Was anfänglich nur nach einem herkömmlichen Biss aussah, hat sich in den letzten Wochen mal mehr mal weniger juckend (meistens weniger weshalb ich der ganzen Geschichte wenig Beachtung geschenkt habe) zu einem roten Pflatschen entwickelt weshalb ich mich nach Rücksprache zunächst dazu entschlossen habe in der nächstbesten Apotheke (160km Fahrt Richtung Norden in Narvik) etwas zum draufschmieren zu besorgen. Gesagt getan. Im Anschluss war die Motivation nunmehr nicht mehr besonders groß noch weiter Strecke zu machen weshalb ich mich 15 Minuten entfernt am Ende des Fjordes unweit der alten Hauptverkehrsstraße an einem wunderschönen Steinstrand niederlasse. Wunderschöner Sonnenuntergang inklusive.

[Soloy Camping, 29.08.2023] Es ist mal wieder soweit. Die Batterieanzeige zeigt nichts mehr an was in der Regel ein untrügerisches Zeichen dafür ist, dass es dringend vonnöten ist einen Camping mit Stromanschluss anzufahren um diesen Missstand zu beseitigen und der Bordelektronik das zu geben was sie braucht. Neue Power. Mein Weg führt mich bei miserablem Wetter, dh. Regen ohne Unterlass, auf den kleinen beschaulichen Camping Soloy wo ich den Tag als einziger Gast verbringe, Wäsche Wasche und die Seele baumeln lasse. Wer hier in der Ecke vorbei kommt sollte hier halt machen, weniger wegen der in die Jahre gekommenen Sanitäranlagen sondern vielmehr wegen des netten Betreibers, welcher ein in die Jahre gekommener Norweger, (ehemaliger Bauernhof) mit erstaunlich guten Deutschkenntnissen, ist. Nebenbei lässt es sich am Privathäf’chen hervorragend angeln.

[Ovrevatnet/Nervatnet (Brücke), 30.08.2023] Wenige Kilometer weiter führt mich der Weg am kommenden Tag entlang eines schönen Flusses mit großem Fischbestand (zahlreiche Angler hier und da) an einen schönen See wo ich den Tag mit Himbeeren essen, spazieren gehen und halb legalem Angeln verbringe. Mein Zeckenbiss entwickelt sich unterdessen nicht zum besseren, weshalb ich für den kommenden Tag einen Besuch zum Arzt einplane.

[Balsfjord Kirke (Hafen), 31.08.-01.09.2023] Endlich mal in Norwegen zum Doktor. In Storsteinnes besuche ich die lokale Gesundheitseinrichtung und bekomme problemlos bereits am selben Nachmittag einen Termin um beim Doktor vorzusprechen, welcher mir wie vorher schon prognostiziert Borreliose diagnostiziert. Fantastisch. Das bedeutet für mich nun zehn Tage lang Antibiotika schlucken und darauf hoffen dass sich weder Neben- noch Nachwirkungen einstellen. Den Rest der beiden Tage verbringe ich in Rufweite zur Balsfjord Kirke am Ende einer Sackgasse an einem kleinen Hafen.

Neben einem geschichtlich spannenden Pfad welcher an zahlreichen, vor ca 6000 Jahren bemalten Steinen vorbeigeht, witme ich mich mal wieder sehr erfolgreich der Angelei.

[Finnvikvatnet (Tromsö), 02.09.2023] Auf geht’s zur nördlichsten Stelle meiner Skandinavientour. Tromsö, die größte Stadt im Norden Norwegens (weiter nördlich passiert nicht mehr viel). Ich verbringe den Samstag in der Stadt, tingel durch die Straßen und Gassen und beobachte das rege Treiben. Nach dieser Reizüberflutung zieht es mich am späten Nachmittag in das nördliche Umland, was sich spätestens mit der untergehenden Sonne als absoluter Glücksgriff herausstellt.

Mich verschlägt es an einen hoch gelegenen Standort oberhalb des Finnvikvatnet welcher einen atemberaubenden Blick auf die spektakuläre Küstenlandschaft gewährt.

Zwar ist dieser Platz insbesondere in den Abendstunden stark von (vermutlich) tromsöer Jugendlichen bzw jungen Erwachsenen mit der Vorliebe für laute Autos und Musik frequentiert, allerdings entpuppt er sich auch als hervorragenden Standort um zunächst den Sonnenuntergang zu bewundern und im späten Verlauf des Abends die ersten Nordlichter des Jahres zu bewundern!

Für mich erneut ein sehr besonderer, weil erster, Moment. Bei gewöhnungsbedürftigen 3 Grad Außentemperatur staune ich auf dem Weg zur Mitternacht das Spektakel am Himmel. Auch wenn die Nordlichter wie auf Bildern suggeriert nicht strahlend grün sind (dafür müssten sie wohl stärker sein) sondern als graue Schleier über den Himmel huschen ist es sehr sehenswert.

[Kattfjordvatnet (Tromsö), 03.09.2023] Am folgenden Sonntag geht es zur Mittagsstunde erneut nach Tromsö um am späten Nachmittag meine Norwegen-Groundhopper-Tour mit einem Besuch im Stadion des Tromsö IL vorerst zu beschließen. Es geht gegen Rosenborg (Trondheim) wo ich bereits im Stadion gewesen war. Nun, im letzten Drittel der Saison, geht es für den Gastgeber vor mehr als 6000 Zuschauern in einem liebenswerten kleinen Stadion bei 6 Punkten Rückstand darum an die Tabellenspitze aufzuschließen. Bei bester Stimmung auf den Rängen entwickelt sich ein, vor allem für Anhänger des Heimvereins, ein sehr unterhaltsames Spiel welches Schlussendlich hochverdient mit 3:1 endet.

Wie schon die vorherigen Stadionbesuche ist auch dieser ein absolut lohnenswerter, nicht nur da es sich bei diesem Match um das in Europa nördlichst mögliches 1.Ligaspiel handelt.

Nach dem Spiel quäle ich mich durch den Verkehr erneut hinaus aus der Stadt, diesmal Richtung Nordwest, meine nächste Stadion Senja im Blick. Ab jetzt geht es für mich wieder tendenziell Richtung Süden, was mit Blick auf den einsetzten Herbst durchaus Sinn macht. Schlussendlich finde ich am Kattjordvatnet einen schönen Stellplatz. Dank schlechtem Wetter verzichte ich am kommenden Tag auf eine der zahlreichen möglichen Wanderungen, sondern mache mich auf zur Fähre.

[Jekthavna (Senja), 04-05.09.2023] Nach sechs Stunden Wartezeit geht es schlussendlich bei mäßigem Wellengang, dafür aber stark schwankendem Schiff (ein sehr alter Kahn) gen Botnhamn und von dort aus an den nördlichsten, mit dem Auto zu erreichenden Punkt. Selbst bei schlechtem Wetter macht der malerische Sandstrand mit türkisblauem Wasser so viel Eindruck, dass ich gleich zwei Nächste dort verbringe.

Allerdings mache ich am zweiten Tag bei anhaltendem Regenwetter einen Ausflug nach Husoy. Dies ist eine kleine Insel mit einem Dorf und einiger Fischereiindustrie, welches in einem Fjord auf Senja liegt. Umgeben von schroffen Felswänden und steil aufragenden Berggipfeln ergibt sich selbst bei schlechter Sicht ein toller Blick.

[Ornfjordbotnen (alte Straße), 06-07.09.2023] Auf der anderen Seite des Fjordes liegt malerisch das Örtchen Fjordgard wohin es mich zieht, da ich auf den Berg Hesten wandern möchte. Nachdem die Kommune offenbar der Meinung ist man sollte für das einfache Parken auf den ausgeschilderten Parkflächen 20€ berappen parke ich lieber an einem der zahlreichen Ausweichpunkte auf dem Weg dorthin, spare mir das Geld und investiere einen Kilometer Muskelkraft beim wandern zusätzlich.

Bei wechselhaftem Wetter begehe ich die teils anspruchsvollen 750 Höhenmeter und komme nach viel Krakselei am Ende vollkommen geschafft aber glücklich am Gipfel an. Die Regenwolken haben sich unterdessen in höhere Gefilde verzogen, was dafür sorgt, dass sich mir ein atemberaubender Blick über die Berglandschaft und hinunter auf die Küste ergibt. Unfassbar!

So schön, dass ich am nächsten Tag die Tour, mit am Vorabend kennengelernten, auf den ersten Metern sehr sympathischen und liebenswerten Menschen, in ähnlicher Form wiederhole. Das Wetter lacht uns an, die Aussicht ist heute wesentlich weitläufiger, obwohl wir nicht bis ganz hinauf auf den Gipfel gehen.

[Mefjordfaer, 08.09.2023] 40 minutes to go. Es geht weiter, immer der Nase nach, bzw. der kurvenreichen Straße entlang der Küste folgend. Das oberste Ziel heute: einen Platz finden welcher halbwegs windgeschützt ist, da sich ein Sturm ankündigt mit Böen bis zu 70km/h. In Mefjordfaer findet sich am Ortsausgang ein günstig gelegener Platz welcher unseren Ansprüchen auf den ersten Blick genügt, die kommende Nacht wird dann zeigen inwieweit die Platzwahl aus windtechnischer Sicht sinnig war. Mir schwant böses. (Nachtrag: überraschend entspannt) Tagsüber geht es unter anderem mit Joni um den Knuten herum, auf die Suche nach einem windgeschützten Angelspot. Der Verlust von Material wird am Ende durch essbaren Fisch ausgeglichen, von daher ein, zumindest in Teilen erfolgreicher Ausflug.

Darüber hinaus trotzdem wir dem Wind und Regen und verbringen entspannte Stunden.

[Stronglandseidet, 09.10.2023] Weiter geht die wilde Fahrt über Senja. Unsere kleine tolle Reisegruppe teilt sich am Samstagmittag nach einem Zwischenstopp beim goldenen Scheisshaus auf, für meine Wenigkeit geht es zunächst nach Skaland, von wo aus ich beim ersten richtigen Sonnenschein seit Tagen den Husfjellet besteige. Zwar lässt mich das Wetterglück auf den letzten Metern zum Gipfel zunehmend im Stich, richtig nass werde ich dann aber erst nachdem ich die spektakuläre Aussicht genossen habe. Nach einer verdienten semi-legalen warmen Dusche geht es dann zunächst auf Auto-Sightseentour der Küstenstraße nach Südwesten folgend bevor ich mich am Abend mit Lena, Jona und Vali wieder treffe. Am hervorragend herausgesuchten Spot direkt am Meer lassen wir den Abend entspannt ausklingen.

[Sorlivannet strand, 10.10.2023] Ursprünglich wollten wir am Vortag bereits am Ausgangspunkt der heutigen Wanderung in den Nationalpark Anderdalen nächtigen. Das hiesige Campingverbot bescherte uns dann aber den Umzug an die Küste und damit auch eine 20 minütige Anfahrt am heutigen Morgen. Gut ausgeruht und mit Wind und Sonne im Rücken geht es entlang gut ausgebauter Wanderwege hinein in die Natur bis zum Andervatnet. Neben einigen wenigen Vögeln und einem Frosch bleibt es leider ruhig, insgeheim hatten wir auch einen Blick auf die hier lebenden Elche gehofft.

Nach einer zeitintensiven Zeit auf einem lokalen Campingplatz wo wir primär duschen und ein wenig Wäsche waschen geht es am späten Abend dann noch an den Sorlivannet wo sich ein schöner Stellplatz befindet.

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