Logbucheintrag 120-123

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[Lofoten Beach Camp, 19.09.2023] Unser letzter geplanter gemeinsamer Tag. Für heute haben wir uns vorgenommen noch einmal gemeinsam Wandern zu gehen, wobei Jona leider bereits Morgens wie zu befürchten einen Rückzieher machen muss, da seine Fußgeschichte sich nicht zum besseren gewendet hat.

Zunächst einmal geht es nach einem Kaffee in Richtung Vikinger-Museum. Glücklicherweise findet sich auf dem Weg dorthin im örtlichen Supermarkt noch die Möglichkeit sich mit Schokobrötchen für den kleinen Hunger einzudecken.

Im Anschluss vergnügen sich unsere Bayern im Museum während ich geschlagene zwei Stunden versuche die Ereignisse der letzten Tage auf Papier zu bringen und die entsprechenden Bilder zu sortieren. Ein anstrengendes Unterfangen, da ich meine Notizen bezüglich unserer Schlafstätten im Bus habe liegen lassen und meine Erinnerungen im Sumpf der Zeit versunken sind. Am Ende kommt dann aber doch ein halbwegs passables Endergebnis dabei herum, siehe Logbucheintag 112-119.

Nach meinem Officeworkflow und der Beendigung des Museums-Ganges geht es für uns nach Süden. Zunächst folgen wir der E10, bevor es rechts ab über zwei geschwungene Brücken durch das Örtchen Fredvang bis zum Wanderparkplatz „Kvalvika Beach“ geht.

Zu dritt (Lena, Vali & Ich) machen wir uns auf in die Berge in Richtung Kvalvika Beach während Jona schon einmal den wichtigen Organisatorischen Part übernimmt und im „Lofoten Beach Camp“ eincheckt. Wir haben uns für unseren letzten Abend ausnahmsweise mal zur Übernachtung auf einem Campingplatz entschieden, da sich hier neben der offensichtlichen Annehmlichkeit einer warmen Dusche und einer Waschmaschine zudem die Möglichkeit für mich ergibt, meine komplett leeren Batterien wieder aufzuladen. Außerdem ist der Fährhafen in Moskenes, welchen die drei morgen früh um 7 Uhr erreicht haben müssen, entspannte 38 Minuten entfernt.

Zurück zur Wanderung. Über Holzstege, Baumwurzeln und Felsen erklimmen wir zunächst den hiesigen Berg, ohne dabei auf den Gipfel zu steigen. Ziel ist das untere Ende des „V“ (V für Vali), von welchem wir uns einen spektakulären Blick auf die Kvalvika-Bucht erhoffen.

Mit einem unglaublich starken und kalten Wind im Rücken müssen wir am Ende dann noch einige hundert Metern weiter wieder absteigen um die volle Pracht des Sandstrandes zu überblicken. Unglaublich schön! Vali’s Wandermotivation lässt heute zwar zu wünschen übrig, den beschwerlichen Abstieg (und damit auch den späteren Wiederaufstieg) möchte er sich aber dennoch noch antun.

Auf dem Weg bergab begegnen uns noch einige hier lebende Schafe und ein paar Gleichgesinnte Wanderer. Am Wasser angekommen pfeift uns der kalte frühwinterliche Wind und der aufgewirbelte Sand schön um die Ohren während das Wasser wundervolle Offshorewellen produziert. Ein Königreich für ein Surfboard, hier könnte man richtig Spaß im Wasser haben!

Ähnlich wie zwei lebensfrohe Norweger. Mit Blick auf den Strand und die Umgebung kommen alte Bilder wieder hoch, Stichwort EOFT (European Outdor Film Festival), im Jahr 2013/14 gab es einen Beitrag („North of the Sun“) welcher von eben jenen zwei Norwegern handelte die hier am Kvalvika-Beach neun Wintermonate verbrachten, in einer selbst gebauten Hütte. Neben dem Willen zu Überleben und allen damit verbundenen Herausforderungen in der Norwegischen Wildnis während der Winterzeit sammelten sie mehrere Tonnen Müll welcher im Anschluss abtransportiert wurde. Ein absolut beeindruckender Kurzfilm welcher sich lohnt zu schauen! (Gibts u.a. auf Netflix)

Nachdem wir uns für eine kurze Verschnaufpause am Strand aufgehalten haben geht es mit kalten Händen und Nasenspitzen auf den Rückweg welcher insbesondere für Vali eine echte Herausforderung wird, welche er am Ende aber mal wieder (wie schon bei den Wanderungen der letzten Wochen) beeindruckend gut meistert!

Angekommen auf dem Camping geht es dann erst einmal unter die warme Dusche bevor wir den Abend sehr entspannt ausklingen lassen. Ich habe mich inzwischen sehr an unsere gemeinsame Zeit gewöhnt und genieße es sehr. Ab morgen muss ich mich dann gezwungener Maßen wieder umstellen.

[Reine, 20.09.2023] „RRIIIIIING“ 5:10 Uhr. Absolut überragende Zeit um sich bei 6 Grad aus dem Schlafsack zu quälen. Aber es hilft ja nix. Klamotten an (inzwischen inklusive langer Winterunterwäsche) und den Herd anwerfen. Ein letzter Kaffee mit der Crew bevor sie sich zeitlich verabschieden müssen um die 7Uhr-Fähre zu bekommen.

Zumindest war das der ursprüngliche Plan. Seit gestern tobt ein ausgewachsener Herbststurm über den Lofoten weshalb sich der Fähranbieter aus verständlichen Gründen dazu entschließt die morgendliche Fähre ausfallen zu lassen. Das bringt unserem durcheinander gebrachten Schlafrhythmus im Nachgang aber wenig. Jona, Lena und Vali stehen am Fährkai während ich den Vormittag nutze meine Wäsche zu waschen, bevor wir uns dazu entschließen die Gunst der Stunde zu nutzen und doch noch ein wenig Zeit gemeinsam zu verbringen.

Um die Mittagszeit herum düse ich deshalb nach Sørvågen, wo die drei sich zu einem verdienten Mittagsschlaf hinter einem Hafenkai verschanzt haben, um dem starken Wind zu entgehen.

Jona und ich versuchen uns im Anschluss erneut in der Fischerei, neben ein paar kleineren Seelachsen will uns aber leider nichts an die Leine gehen, sodass wir am Ende lediglich einige Schnurrisse und den darauf folgenden Köderverlust zu verbuchen haben. Irgendwie unbefriedigend, auch wenn die Angelei an sich natürlich Spaß macht.

Den restlichen Nachmittag verbringen wir im kleinen Örtchen „Å i Lofoten“ welches an ein großes Museum erinnert. Neben den ansehnlichen roten alten (Fischer-) Häus’chen welche sich auf Holzstelzen ein wenig vom Land ins Wasser wagen überzeugt wie überall hier oben alleine schon die Kulisse mit ihren steilen Berghängen und dem wilden Ozean. Immer wieder ein tolles Farbspiel und eine wundervolle Komposition der Natur!

Nach einer letzten Einkehr in einem kleinen Café mit dem obligatorischen Kaffee und einer Zimtschnecke (und zahlreichen anderen Leckereien für Vali) verabschieden wir uns erneut und diesmal für’s erste endgültig. Denn, trotz anhaltendem starken Wind und damit auch Wellengang geht die abendliche Fähre nach Bodø planmäßig.

Mich treibt es am fortgeschrittenen Nachmittag noch in den nächsten Ort Reine wo ich eine ruhige Nacht verbringe.

[Vik Beach, 21.09.2023] Kontrastprogramm am heutigen Morgen. Kein Wecker, ich schlafe bis 11 Uhr morgens, der halbe Tag ist damit quasi schon rum. Und damit auch meine ursprüngliche Idee ab Reine die morgendliche Fähre nach Kirkefjord zu nehmen um von dort aus eine Wanderung zum Horseid stranda zu unternehmen. Dieses Vorhaben habe ich nun auf unbestimmte Zeit verschoben. Alternativ, auch mit Blick auf das durchwachsene Wetter, entschließe ich mich zu einer kleinen Sightseeingtour weiter im Norden der Lofoten.

Westlich von Leknes geht es an kleinen Höfen und durch enge Tunnel an den Stränden „Vik“, „Haukland“ und „Kostbergan“ vorbei. Absolut traumhafte Eckchen dieser Insel, allerdings touristisch schon soweit erschlossen, dass man überall eine gesalzene Parkgebühr zahlen muss (ab 45Kronen pro Stunde aufwärts). Darüber hinaus entsteht am Hauklandstranda aktuell ein riesiges Besucherzentrum. Der Massentourismus lässt grüßen. Besser wird’s hier wohl eher nicht mehr. Schade drum.

Im Anschluss finde ich auf dem Rückweg mit Blick auf den Vik-Beach und besagten Hauklandstranda eine entspannte Parkbucht wo ich mich bei zunehmendem Regen niederlasse.

Beim Versuch mal wieder einen essbaren Fisch aus dem Wasser zu ziehen macht dann leider ein Teil der Spule seine Augen zu, weshalb ich wohl für die letzten Tage meiner Skandinavienreise auf die Angelei verzichten muss, da eine Reparatur hier nicht möglich ist und mir neues Equipment aktuell zu teuer ist.

[Unstad, 22.09.2023] Ausgeruht und motiviert wache ich heute morgen recht früh auf. Der Blick aus dem Fenster offenbart mir eine graue Landschaft, der nasse Nebel hängt quasi auf Meereshöhe. Mein Plan heute wandern zu gehen verfolge ich dennoch, allerdings nicht wie ursprünglich geplant direkt um’s Eck sondern weiter nördlich. Meine morgendliche Autofahrt führt mich zunächst nach Svolvaer wo ich mich nach Angelläden umschaue um ggf. doch noch die Chance zu haben etwas an meiner kaputten Angel zu machen. Leider ergibt sich selbst im Fachmarkt keine Option die mir sinnvoll erscheint.

Deshalb geht es im Anschluss in die Wanderklamotten und dann auf den Berg. Das Ziel ist der Floya und einem Zwischenstopp auf bzw. beim Djevelporten. Die unverschämten 9€ für zwei Stunden Parken nehme ich da doch gerne mit einem Zähneknirschen in Kauf.

Der Preis scheint das Ergebnis der präparierten Route zu sein, welche über weite Teile aus Steinstufen besteht die vermutlich in viel Kleinstarbeit mit einem Helikopter vor Ort geflogen wurden und dann fachmännisch verlegt wurden. Für Menschen mit schlechtem Schuhwerk sicherlich eine tolle Sache, für mich ehrlicherweise etwas drüber. Wenn ich Treppenlaufen will kann ich auch ins nächste Hochhaus fahren und dort hoch und runter rennen.

Nun ja, neben den besagten Treppenpassagen gibt es glücklicherweise auch ein wenig Pfade und Kletterparts zu erkunden und die Aussichten auf dem steilen Anstieg sind in bekannter Manier absolut sehenswert. Zumindest solange wie man sich unterhalb oder oberhalb der Wolkendecke aufhält, welche immer mal wieder Blicke auf das umliegende Land und Wasser offenbart.

Angekommen am Djevelporten, was übersetzt soviel wie „Pforte zur Hölle“ bedeutet, ergibt sich der erste sehr spektakuläre Blick welcher nur noch vom Grat des Floya getoppt wird.

Nachdem ich 20 Minuten durch eine dicke Nebelwand gestiegen war hatte ich nicht mehr mit einem freien Blick gerechnet, auf der anderen Seite des Berges ergab sich eben jener dann aber doch noch. Absolut traumhaft!

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