Logbucheintrag 124-136

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[Unstad, 23-27.09.2023] Surf-Eat-Sleep. Irgendwann muss man diesem Motto dann doch noch mal gerecht werden auf dieser Tour. Für die letzten Tage in Norwegen bzw. auf den Lofoten habe ich mir ein temporäres Autofahrverbot auferlegt. Dabei geht es aber weniger um das Verbot als vielmehr um meinen Wunsch noch einige Surfsessions auf den letzten Metern mitzunehmen. Davon abgesehen stehen noch ein bis zwei Wanderungen auf meiner To-do-Liste. Mal sehen wie viele davon noch „abarbeiten“ werde. Im Zweifel wird es mit Sicherheit noch einmal die Möglichkeit geben hier im hohen Norden unterwegs zu sein.

Vorerst habe ich es mir nun am bekannten Spot häuslich gemacht. Am ersten (gestrigen) Tag bin ich zunächst erstaunt über die Leere die hier vorherrscht. Bei unserem letzten Besuch war der Spot noch komplett überfüllt gewesen, heute stehen lächerliche vier weitere Busse neben mir. Auf dem Wasser ist dennoch einiges los. Deutlich zu viel dafür dass die Wellen absolut überschaubar sind.

Ich quäle mich selbstredend dennoch in meinen Wetsuit, die viel zu dicken Schuhe und meine Haube und habe am Ende des Tages zwar abgefrorene Hände, dafür aber auch ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Trotz mäßiger Bedingungen hat die Session wieder jede Menge Spaß gemacht.

Heute ging es für mich wieder früh raus, gedanklich. Mein Rhythmus beschert mir wie schon die letzten Tage ein angenehm ausgeruhtes Aufwachen um 8Uhr. Der Blick durch die beschlagenen Scheiben offenbart wenig. Auf dem gegenüberliegenden Hügeln spiegelt sich leicht die aufgehende Sonne während die Grasfelder nebenan vor Tauwasser strotzen. Ein tolles Bild. Auf dem Wasser ist gefühlt noch weniger Welle als gestern, weshalb ich mich fürs Erste dazu entschließe im warmen Schlafsack zu verbleiben.

Nach ein wenig Döserei und einem kleinen Snack hat mich das permanente Wellenanschauen und die langsam aber sicher eintrudelnden Surfer soweit gebracht, dass ich mit leichtem Schaudern in meinen noch nassen Wetsuit steige und mich eine Stunde im kühlen Nass aufhalte. Wenig erhellendes in der Nachbetrachtung, dennoch eine nette Session bei wundervollem Sonnenschein und angenehmen 10 Grad (Wasser ca. 8 Grad).

Nach der folgenden kalten Dusche geht es am frühen Nachmittag, wie schon am Vortag, ins lokale Café (Unstad Arctic Surf) um dort einen Kaffee zu konsumieren, den Körper aufzuwärmen und der Alemannia beim Fußball spielen zuzuschauen. Viel besser geht es kaum.

Am gestrigen Abend habe ich am „Homespot“ noch zwei Dudes kennengelernt welche zumindest temporär ebenso wie ich auf langer Reise sind. Chile und Spanien steht auf den entsprechenden Passports, neben meinen inzwischen wieder sehr verkümmerten rudimentären Spanisch-Kenntnissen wird daher primär auf Englisch palavert.

Am heutigen Montag geht es mit den Jungs dank fehlender Wellenbewegung auf dem Meer hinauf auf den nächsten Berg. Namentlich unbekannt, südlich des Unstad-Beach gelegen geht es nach einem Walk entlang des Strandes steil bergauf. Vorbei an einem Bergsee und einigen Schafen die unser Treiben mäßig interessiert beobachten. Hinauf auf dem Grad des Berges bis sich uns eine tolle Aussicht auf den Strand, den angrenzenden Ort und das Hinterland bietet. Traumhaft!

Zurück geht es dann mehr schlecht als recht bei einsetzendem Nieselregen zurück zu unseren Bussen. Unterwegs haben sich die Bedingungen auf dem Wasser zum positiven verändert, weshalb wir uns nach einer kleinen Stärkung in unsere Wetsuits und Zubehör quälen und der ganzen Geschichte eine Chance geben.

Nach zwei Stunden mit durchschnittlichen Wellen, aber durchaus Spaß verlassen wir bei einsetzendem Sturm das Wasser und versuchen die komplett weißen Finger und Zehen wieder warm zu bekommen.

Den Rest des Abends und der Nacht verbringe ich dann im Van, es stürmt und Regnet. Viel Schlaf gab es deshalb am Ende nicht.

Dafür am heutigen (Dienstag) Morgen ein beeindruckendes Schauspiel auf dem Wasser. Drei- bis vier-Meter Wellen drücken bei Offshorewind in die Bucht und verwandeln sie in ein von Weißwasser umtosten Spielplatz für lebensmüde SurferInnen. Deren Zahl (3) lässt sich allerdings an einer Hand abzählen. Für mich wäre eine solche Aktivität zum aktuellen Zeitpunkt meiner nicht vorhandenen Paddlepower wenig sinnstiftend weshalb ich es bei einer Rundumschau belasse und mich nach einem ausgiebigen Frühstück mal wieder im Café des „Unstad Artic Surf“-Camp einfinde um dort einen Kaffee zu genießen. Draußen tobt dabei weiterhin der Sturm und es regnet ohne Unterlass.

Mittwoch Morgen. 8Uhr. Zeit sich aus dem Van zu begeben, die Brandung ertönt unschwer zu überhören. Die ersten SurferInnen sind bereits seit 7Uhr auf dem Wasser bei unglaublichen Bedingungen. Für mich ehrlicherweise deutlich zu groß, nach einer Banane zum Frühstück versuche ich dennoch mein Glück. Zunächst beim Einstieg über die Felsen wobei ich mir beinahe mein Board schrotte, weshalb ich dann doch lieber zum Strand rüberwandere um dort mein Glück in der unendlichen Weißwasserbrandung zu versuchen. Ein tendenziell unglückliches Unterfangen, erinnert die Strömung doch stark an französische Verhältnisse. Völlig entnervt und k.o. beende ich meine Einheit bereits nach 30 Minuten wieder und beschäftige mich den Rest des Tages dann lieber mit meiner Kamera. Am Ende (siehe unten) gelingen mir einige fantastische Shots mit denen ich neben den Touris auch ein paar Locals eine Freude machen kann.

Surftechnisch bisher das mit Abstand Beste was ich hier im hohen Norden vor die Linse bekommen habe, eine absolute Freude dies mit ansehen zu dürfen, ganz unabhängig von meinem eigenen Surferfolg. Einfach toll!

Für mich ist dieser Tag nun gefühlt der Beginn meiner Rückreise. Was sich in den letzten Tagen bereits angedeutet hatte, fühlt sich heute schon sehr viel realer an. Es wird Zeit in Richtung Süden aufzubrechen.

[Lofoten Beach Camp, 28.09.2023] Ein letztes Mal Campingplatz in Norwegen. Meine Batterie bedarf einer kleinen Aufladung, ich selber freue mich über eine warme Dusche und ein wenig Wäsche bekomme ich auch noch gewaschen. Nachdem ich mich morgens von Unstad verabschiedet habe verbringe ich den Tag ausnahmslos auf dem Campingplatz bzw. dort im Café und nutze die Zeit ein wenig zu schreiben und Bilder zu ordnen.

[Moskenes Fährkai, 29.09.2023] Aktuell fährt nur eine Fähre am Tag. Das Buchen habe ich etwas verschlafen weshalb ich nun gezwungen bin mich bereits am Tag vor der Abreise (morgen um 7 Uhr) zum Fähranleger zu begeben um dort zu nächtigen. Im Nachhinein eine weise Entscheidung, da die zur Verfügung stehenden Plätze bereits am Abend vollständig belegt sind. Um den letzten Tag auf den Lofoten aber nicht nur mit Warten zu verbringen nutze ich den Vormittag noch zu einer kleinen Rundfahrt an die Ostküste und schaue mich dort in einem alten, wunderschönen Fischerdorf um. Eine mögliche Wanderung lasse ich jedoch links liegen, da das Wetter herbstlich unbefriedigend ist. Im Anschluss geht es dann wie angesprochen nach Moskenes an den südlichen Zipfel der Lofoten wo am nächsten Morgen die Fähre abfahren wird.

[Högstaby (Schweden), 30.09.2023] Fantastisch, 6 Uhr aufstehen. Ich bin allerdings bereits seit 5:30 Uhr wach, da die wartenden Brummifahrer ab diesem Zeitpunkt ihre Motoren laufen lassen, vermutlich um bei ein wenig Wärme besser aufstehen zu können. Bitte sehr. Pünktlich geht es dann auf die Fähre und nach der Ankunft in Bodo weiter nach Südosten. Mein Ziel heute ist, neben der fast wöchentlichen Quälerei bei der Betrachtung eines Spieles der Alemannia (es war auch heute wieder mehr schlecht als recht), ein See in Schweden in der Nähe vom norwegischen Ort „Mo i Rana“. Dort haben sich Jona, Lena, Vali und inzwischen auch Jona’s Bruder Niko in einem Haus am See niedergelassen. Weniger freiwillig als vielmehr als Ergebnis eines Motorschadens ihres Reisemobiles.

Damit ergibt sich mir recht unverhofft erneut die Möglichkeit Zeit mit den Dreien zu verbringen und mit Niko den nächsten im Bunde kennen zu lernen. Sehr erfreut 🙂

[Juksjaur, 01.10.2023] Für Jona und Lena geht es heute nach Deutschland zum Autotausch. Wir bewegen uns daher nach einem entspannten Frühstück und einiger Packerei zum lokalen Flugfeld. Flughafen wäre in diesem Fall maßlos übertrieben, so klein ist dieser lokale Airport. Das Flugzeug überzeugt mit seiner Einfachheit, die Propeller und die geschätzt 30-40 Sitzplätze machen die ganze Aktion irgendwie charmant, auch wenn es bei unseren beiden Fluggästen nicht zur Beruhigung der Situation beiträgt. Nach überschwänglichem Abschied und einem erfolgreichen Start geht es für uns verbliebene weiter nach Süden, allerdings nur gute 30 Minuten, an einen kleinen See im Nirgendwo.

Dort machen wir, d.h. Niko, Vali und ich, uns einen entspannten Nachmittag und Abend am Strand und nahen Umland bevor wir uns bei winterlichen Temperaturen zu Bett begeben. Diese Nacht friert es erstmals richtig.

[Andersön naturreservat, 02-03.10.2023] Am Morgen ist alles gefroren, der Sand knirscht unter meinen Füßen und bei angenehmen minus 2 Grad bilden sich Atemwolken beim ausatmen. In einem Moment geistiger Umnachtung entschließe ich mich zu einem Sprung ins kühle Nass (3-4 Grad), was neben einer Ganzkörperrötung immerhin dazu führt dass ich in allen Poren optimal durchblutet bin. Dafür tut es aber auch ziemlich weh. Nachdem wir im warmen Bus gefrühstückt haben entschließen wir uns gemeinsam noch zwei Tage zu verbringen, allerdings deutlich weiter im Süden um dem kalten Wetter zu entfliehen.

Im Laufe des Vormittags geraten wir zunächst in einen ausgedehnten Schneesturm. Nachdem sich sowohl Bäume als auch Boden langsam weiß pudern wird es gute 400 Kilometer weiter südlich im Raum Öresund glücklicherweise deutlich wärmer. Wir finden einen tollen Platz auf einer befahrbaren Insel im Storsjön welche Teil eines Naturreservates ist. Bei angenehmen 10 Grad und strahlendem Sonnenschein lassen wir den Tag nach sechsstündiger Fahrt gemütlich ausklingen und entschließen uns den folgenden Tag auch an diesem fantastischen Ort zu verbringen.

Zweistellige Temperaturen und die Sonne machen diesen dann zu einem sehr entspannten. Wir verbringen den gesamten Tag am See, nur unterbrochen von einer kleinen Fahrradtour zur nächsten Burgruine. Relaxter geht es nicht! Es war eine Freude mit euch beiden ein paar Tage verbringen zu dürfen!

[Björkullasand, 04.10.2023] Ein letztes Mal in Schweden schlafen. Meine Skandinavientour neigt sich nun doch sehr schnell und abrupt dem Ende entgegen. Heute ging es für mich mal wieder in aller Hergottsfrühe (6 Uhr) aus dem Bett auf den Fahrersitz. Mein Ziel ist der etliche Kilometer und Stunden entfernte Vänernsee wo ich bereits Anfang bis Mitte Juni einige Tage verbracht hatte. Dort bin ich mich Jona und Lena zum letzten Mal in Schweden verabredet. Die beiden befinden sich auf ihrer Rücktour aus Deutschland nach „Mo i Rana“ mit ihrem Tauschauto.

Anders als noch im Juni ist dieser Platz nun fast vollständig verlassen. Abgesehen vom Wind in den Bäumen und den Wellen am kleinen Strand ist Ruhe eingekehrt. Zumindest wenn man vom zusammenbrechenden Baum absieht, der sich über den Weg legt, was zu einem ausgedehnten Nachmittagssportivent führt.

Für mich, und später uns, ein traumhafter Ort um unseren letzten Tag miteinander zu verbringen, gemeinsam zu kochen (große Anteile bei Lena), zu essen, zu quatschen und natürlich eine gediegene Runde Cabo aufs Parkett zu zimmern.

Am heutigen Morgen (5.10.) geht es dann für mich, nachdem wir uns viel zu früh verabschiedet haben, weiter nach Süden. Portugal ist mein nächstes Ziel. Von dort aus werde ich mich voraussichtlich mit meinem nächsten Logbucheintrag melden. Bis dahin, gehabt euch wohl und genießt eure Zeit. Wo auch immer ihr unterwegs seid. Safe Travel!

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